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Donnerstag, 2. Februar 2012

Apocalypse Now: Herz der Finsternis

Am 24. Juni 1902 wirft Joseph Conrad versehentlich eine Öllampe auf dem Schreibtisch um, und die Lieferung seines Romans "Das Ende vom Lied" steht in Flammen. Im selben Jahr erscheint  sein legendärer Roman "Herz der Finsternis" ("Heart of Darkness"), Vorlage für "Apocalypse Now".

Herz der Finsternis. "Heart of Darkness" ist zuerst in einer Zeitschrift noch im 19. Jahrhundert erschienen, als Buch drei Jahre später, nämlich 1902. Joseph Conrad schildert in seiner weitgehend autobiografischen Erzählung realistisch, mit einfühlsamer Beobachtungsgabe und treffenden Formulierungen eine strapaziöse und gefährliche Reise nach Zentralafrika, in das "Herz der Finsternis" – eine Metapher für die Abgründe der eigenen Seele. Der Rahmen der Erzählung: Kapitän Marlow befindet sich auf einem Boot auf der Themse und erzählt seinen Zuhörern von seiner Reise ins tiefste Afrika mit einem alten Dampfschiff den Kongo hinauf. Er will den todkranken Kurtz, einen skrupellosen Elfenbeinhändler, aus dem Dschungel in die Zivilisation zurückbringen.

Es gelingt ihm die Konstruktion eines Mythos, einer Geschichte, die weit über die persönlich-aktuelle Ebene hinausgeht. Es geht dabei nicht um die Afrikaner, sondern um den Repräsentanten der Zivilisation, der in einer barbarischen Gesellschaft der Versuchung der Macht erliegt und sich zum König, ja schließlich zum Gott erhebt. Während dieses Prozesses verliert er jedoch die dünne Schale der Zivilisation und mutiert selbst zum "Wilden". Mit dem Überschreiten dieser Grenze - besonders in extremen Situationen - beschäftigte sich Conrad immer wieder. 1890 besuchte er am oberen Kongo das Grab von Major Edmund Musgrave Barttelot, dem Helden der britischen Armee und Sohn eines Parlamentsabgeordneten, der als Kommandeur von Stanleys Nachhut gerade zwei Jahre zuvor in sadistischen Orgien den Verstand verloren haben musste.
Im Gegensatz zu Edmund Morel, Roger Casement, Mark Twain oder Arthur Conan Doyle, die die Gräueltaten in Königs Leopolds Kolonie anklagten, interessierte sich Conrad mehr für die Psyche der Täter, die aus seinem eigenen sozialen Umfeld kamen. Und dabei gelang es ihm "den Schrecken" eindringlicher und dauerhafter zu vermitteln. Die Standard Literaturredaktion sagt es so: "Der Urwald wird hier zur Seelenlandschaft, zum undurchdringlichen Dickicht archaischer Begierden. Herz der Finsternis, ein Jahr vor Freuds Traumdeutung von 1900 erschienen, wirkt wie das literarische Erwachen des Unbewussten. Es ist ein grauenvolles Buch im Wortsinn: Das Grauen fällt den Leser an wie ein Raubtier aus dem Unterholz. Und das Schlimmste ist: Jeder trägt diesen Urwald in sich."
 Link ➨        Biografie Joseph Conrad bei Wikipedia
Ein König als Oberhalunke. Der Kongo als "Staatswesen" ist ein Produkt der Berliner Kongo-Konferenz von 1885. Durch Bestechung und Intrigen brachte König Leopold II. von Belgien zahlreiche europäische und amerikanische Zeitungen dazu, Lobeshymnen auf sein humanitäres Engagement zu publizieren. Durch falsche Versprechungen, etwa die Zusage, er werde den Kongo zur Freihandelszone erklären, durch listiges Taktieren und Ausspielen der Großmächte gegeneinander erreichte er es, dass am Ende der Berliner Konferenz vom Februar 1885 - an der weder ein Afrikaner teilnahm noch jemand, der Afrika bereist hatte - ein Abkommen unterzeichnet wurde, das ihm den Kongo als Privateigentum zusprach. Der Kongo wurde nicht einmal zur Kolonie Belgiens (dessen konstitutionelle Verfassung und das Parlament hatten gar kein Interesse daran) sondern zum Privateigentum des belgischen Königs!
Türkei gegen die christliche Mörderzivilisation. Am 23. Februar 1885 wurde die "Afrikanische Internationale Vereinigung zur Zivilisierung Afrikas" (dessen einziges Mitglied der belgische König Leopold II. war) durch die Teilnehmerstaaten an der Berliner Afrika-Konferenz als souveräner Staat anerkannt. Die westlichen (christlichen Staaten) stimmten zu, nicht jedoch das (islamische) Osmanische Reich, also die heutige Türkei!
 Link ➨        Artemis am Congo  
"Ganz Europa", so Charles Marlow in Joseph Conrads Roman "Herz der Finsternis" über den machtgierigen Elfenbeinlieferanten Kurtz, für den es viele reale Vorbilder gab, "ganz Europa war am Zustandekommen des Herrn Kurtz beteiligt gewesen." Wie es zu einem der grössten Menschheitsverbrechen kam und welchen Anteil die westliche Welt an dem Zerstörungswerk Leopolds II. und seiner Vasallen im Kongo hatte, darüber schweigen sich die, weche heute in Fortsetzung dieser Politik Truppen in den Kongo schicken, aus. Schon Leopold II. hatte für die Berliner Konferenz nicht anders als heute mit "humanen" Anliegen argumentiert: Es gelte, den "arabischen" Sklavenhandel zu unterbinden, die Wissenschaft zu fördern und "die Wilden" zu kultivieren.

Leopold II. von Belgien (verheiratet mit einer Habsburgerin) heuerte Söldner an und beutete den Kongo derart aus, dass sich die Bevölkerung unter seinem Regime um 10 Millionen Menschen halbierte. Dörfer wurden überfallen, und die Bewohner erhielten den Auftrag, eine bestimmte Menge Gummi zu sammeln, sonst würde das ganze Dorf niedergebrannt. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen. Als Beweis für den Verbrauch von Gewehrkugeln mussten die Truppen für jede verbrauchte Kugel die Hand des Opfers vorlegen. Die Hände wurden deshalb auch Lebenden abgehackt. Im Grunde funktioniert dies so bis heute unter den vom Westen unterstützten Diktatoren. Die Entsendung von Truppen zur Sicherung von freien Wahlen ist dieselbe Farce wie die Wahlen selbst. Den nach der Staatswerdung Kongos 1960 eingesetzten Präsidenten Lumumba, der eine politisch und ökonomisch unabhängige Politik betreiben wollte, brachte man dazu einfach um und setzte den dafür gedungenen Mörder als Präsidenten ein.
  Ein neuer Staat

Der Congostaat ist fertig nun,
Die Grenzen sind bestimmt;
Nun frägt sich's was zuerst zu thun,
Und wie man sich benimmt?

Ein Dutzend Klöster rasch erbaut,
Und diese auf der Stell'
Den Jesuiten anvertraut,
Das andere geht dann schnell

Schnell Congo-Rente emittiert,
Million auf Million,
Die Congo-Zeitung confiscirt,
Die erste Nummer schon.

Und schnell die Steuerschraube her
Drauf losgepresst geschwind,
Bis auch die Weißen kreuz und quer
Hübsch schwarz geworden sind.

aus "Humoristische Blätter" Wien, 8. März 1885

Die Berliner Kongo-Konferenz hatte Bedeutung weit über den Kongo hinaus und forcierte die Kolonialiserung und willkürliche Aufteilung Afrikas. Von da an gab es keine unkoordinierte Besetzung mehr, sondern durchdachte und gut organisierte Ausplünderung. Die Ausbeutung war nicht mehr sporadisch, sondern durch die Enteignung der autochthonen Bevölkerungen systematisch und permanent. Für Deutschland bedeutete de Kongo-Akte schlussendlich auch das "Tauschgeschäft" Sansibar gegen Helgoland, da sie auf Sansibar nach dem in diesem Vertrag festgelegten Effektivitätsprinzip nicht wirklich beherrschen konnten.

Josef Teodor Konrad Nalecz Korzeniowski. Der Autor Joseph Conrad (eigentlich Josef Teodor Konrad Nalecz Korzeniowski) wurde am 3.12.1857 als Sohn polnischer Landsleute in Berdiczew bei Kiew (Ukraine) geboren. Conrads Kindheit und Jugend standen unter dem Eindruck und dem Einfluss der Tatsache, dass sein Vater aus den Reihen der polnischen Freiheitsbewegung jener Zeit heraus verhaftet und nach Sibirien in die Verbannung geschickt wurde. Ohne Zweifel sind in diesem frühen Erlebnis die Anfänge einer Entwicklung zu suchen, die Conrad aus der Heimat fort in seine Wahlheimat England führte, der er nach eigenem Bekenntnis alles Wesentliche seines Lebens verdankte und in deren Sprache - ! - er später das Werk seines Lebens erdachte und niederschrieb.

Mit Gattin & Sohn
Er besuchte das Gymnasium in Krakau und ging mit siebzehn Jahren nach Marseille, um Seemann zu werden. England lernte er erst drei Jahre später, im Jahre 1897, persönlich kennen. Als britischer Kapitän befuhr er die Weltmeere und bereiste den Kongo und die Malaiischen Inseln, Schauplätze seiner späteren Romane. Schon als Seeoffizier begann er zu schreiben. Als ein tropisches Fieber ihn zwang, den Seemannsberuf aufzugeben, ließ er sich 1894 als freier Schriftsteller in England nieder. Die englische Sprache, englisches Denken und Fühlen wurde ihm zur zweiten Natur. Eine entscheidende Wendung in seinem Leben brachte dann die Krankheit, die seiner Laufbahn zur See ein Ende setzte und ihn seinem wahren Beruf als Schriftsteller und Dichter zuführte. In den folgenden dreißig Jahren entstanden - oft unter großer materieller Not - die berühmten Romane und Geschichten dieses Autors, der, obwohl er die englische Sprache erst als Erwachsener erlernt, was die Hirnforscher noch heute beschäftigt, zu den großen Meistern der englischen Literatur zählt. Conrad starb am 3. August 1924 in Bishopsbourne/Kent.

Als die bedeutendsten unter den Werken Conrads seien genannt: "Lord Jim", "Nostromo", "Der Nigger vom Narzissus", "Sieg", "Geschichten vom Hörensagen", "Die Schattenlinie" und "Spiegel der See". In Deutschland wurde Conrad vor allem durch die in den zwanziger Jahren im Verlag S. Fischer, Berlin, erschienene Gesamtausgabe der Werke Conrads bekannt. Über seinen Lebensgang hat er selbst in der Autobiographie "Ein persönlicher Bericht" Aufschluss gegeben. Ebenso geschieht das in dem Buch der Erinnerung, das Jessie Conrad, die Gattin Conrads, mit dem Titel "J. Conrad As I Knew Him" veröffentlicht hat.


Apocalypse Now. Das "Herz der Finsternis"  regte Francis Ford Coppola zu seinem monumentalen Filmepos "Apocalypse Now" an. Dabei verlegte er die Handlung vom Kongo nach Vietnam und Kambodscha und von 1891 ins Jahr 1968: Ein Helikopter-Angriff zu Wagners Walkürenritt, brennender Dschungel und ein wahnsinniger General, einfach Apocalypse now! Das psychologische Kriegs-Drama ist einer der besten und berühmtesten Filme. Nur wenige wissen, dass für die Reise im Boot flussaufwärts und damit immer tiefer in die eigene Psyche Joseph Conrad mit "Herz der Finsternis" die Roman-Vorlage lieferte, die heute als eines der Initialwerke der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen wird.
23.6.11/3.2.12/ 

Samstag, 21. Januar 2012

Die Avantgarde vereint mit den Nazimördern


Am 20.1.1941 lässt sich Goebbels vom Geheimdienst über die Aufnahme des NS-Propagandafilmes "Der ewige Jude" (Die Uraufführung war am 28.11.1940) in der Bevölkerung berichten. Die  deutsche "Avantgarde" filmte bei dieser Nazi-Unkultur mit. Genau ein Jahr später findet die Wannseekonferenz statt.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 20. Jänner

Freitag, 6. Januar 2012

Jungfrau von Orléans: Bauernmaid, Feldherr, Hexe, Heilige und Popstar


Der Stoff für Theater, Bücher, Filme und natürlich auch die Bildende Kunst: Am 6. Jänner 1904 erklärt Pius X. die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc, seinerzeit als Hexe verbrannt, zur "verehrungswürdigen" Frau. Man spekuliert, ob die Bauernmaid nicht doch blaues Blut aus Bayern habe und ob sie überhaupt verbrannt worden sei.

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Naturfreunde Vorarlberg: Kulturwanderung: 6. Jänner

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Der Plakatfund aus dem Kino Radium in Zürich, Filmplakate der Jahre 1907 bis 1914

Ausgrabungen im Saal des ehemaligen Kinos Radium förderten eine dichte Abfolge von Siedlungsresten aus dem mittelalterlichen «Niederen Dorf» zutage. In dem historischen Gebäude wohnten vom 14. Jahrhundert an bis 1909 Müllersfamilien. Das Haus weist bemerkenswerte repräsentative Wohnräume des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts auf, die jetzt wieder instand gestellt sind.

Filmplakate. Eine aussergewöhnliche Entdeckung sind die nahezu 100 Filmplakate und weiteren Materialien zu Kino und Filmverleih, die im Dachgeschoss hinter einem Wandtäfer zum Vorschein kamen. Der filmhistorisch spektakuläre Fund führt in die Anfangszeit des Kinos Radium und beleuchtet die bis anhin wenig bekannten Werbeaktivitäten eines der ersten Schweizer Lichtspielhäuser.

Das Kino Radium war eines der ersten ortsfesten Lichtspieltheater in Zürich. Es wurde 1907 an der Mühlegasse 5 im Erdgeschoss eines mittelalterlichen Altstadthauses eingerichtet. 2008 erfolgte die Schliessung im Rahmen eines umfassenden Umbaus der Liegenschaft, den die Stadtarchäologie Zürich begleitete. Bei Räumungsarbeiten kam im Sommer 2009 im Dachstock ein Stapel mit annähernd 100 Filmplakaten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zum Vorschein. Der von einem Mitarbeiter der Stadtarchäologie geborgene Fund umfasst 90 Filmplakate (davon 52 Dubletten, bis zu 12 pro Plakat), 68 Programmzettel (davon 62 Dubletten), einige Filmzeitschriften sowie weitere Materialien zur Hauptsache aus den Jahren 1911 bis 1914.

Bei den Plakaten handelt es sich sowohl um internationale Verleihplakate als auch um lokale Eigenproduktionen (überwiegend Textplakate). Die 69 beworbenen Filme stammen aus Deutschland, aus den USA, aus Frankreich, Italien, Dänemark, Grossbritannien, Österreich und Russland. Die Papiere lagen bei ihrer Auffindung als ungeordneter Stapel hinter einer Holzvertäferung über dem Dachvorsprung. Die Fundumstände lassen vermuten, dass die Plakate versteckt worden waren. Der Grund dafür bleibt rätselhaft. Ein Zeitungsartikel und ein Programmzettel aus den 1930er Jahren sind die jüngsten datierbaren Bestandteile des Fundes. Sie weisen darauf hin, dass die älteren Filmplakate auch erst in dieser Zeit deponiert worden waren. Der Stapel konnte nahezu vollständig geborgen werden.

Der Erhaltungszustand der meisten Plakate ist leider schlecht. Aus filmhistorischer Sicht ist der Fund jedoch spektakulär. Anhand der entdeckten Affichen (und der wenigen bereits vorher bekannten Plakate) aus der frühen Stummfilmzeit lässt sich die Werbetätigkeit der ersten Schweizer Lichtspielhäuser rekonstruieren. Nicht zuletzt die "geschmacklose" Plakatwerbung etablierte in bildungsbürgerlichen Kreisen den schlechten Ruf des Kinos, der auch Einfluss auf die Überlieferung und damit auf die bisherige filmhistorische Bewertung der kinematografischen Gebrauchsgrafik ausübte.

Das als PDF vorliegende Inventar verzeichnet alle aufgefundenen Gegenstände mit Kinobezug (ohne Dubletten). Die Abbildungen zeigen die Fundstücke in unrestauriertem Zustand.

Ab Ende 2011 werden die instand gesetzten Filmplakate im Stadtarchiv Zürich für Forschungszwecke zugänglich sein.

Download: 
Plakatfund Kino Radium (PDF, 33 Seiten, 7 MB)
Adrian Gerber, Andreas Motschi, Der Plakatfund aus dem Kino Radium in Zürich, Filmplakate der Jahre 1907 bis 1914 und weitere Materialien, Inventar, Zürich 2011.
25.2.11/27.10.11/2.12.11/

Montag, 27. Juni 2011

Staatsstipendien für Video- und Medienkunst 2012

Einreichfrist: 31. Oktober 2011

Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur vergibt für das Kalenderjahr 2012 drei Staatsstipendien für Video- und Medienkunst. Die Vergabe der Stipendien erfolgt auf Vorschlag einer unabhängigen Jury, vom Juryergebnis werden die Teilnehmer schriftlich informiert.

Teilnahmeberechtigt sind alle österreichischen oder seit drei Jahren in Österreich lebenden freiberuflichen Künstlerinnen und Künstler. Die Laufzeit des Stipendiums beträgt ein Jahr und ist mit monatlich € 1.100.- dotiert.

Link ➨   Staatsstipendien für Video- und Medienkunst 2012

Freitag, 24. Juni 2011

EU-Kino: Marktanteil europäischer Filme sinkt

Das EU-Bruttoeinspielergebnis erreicht mit 6,45 Mrd. EUR zwar einen neuen Rekordstand und einen Zuwachs um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil europäischer Filme geht 2010 allerdings auf 25,3 Prozent zurück. 


Link ➨  
EU-Kino: 3D-Filme sorgen 2010 für Rekorde - Marktanteil europäischer Filme sinkt jedoch

Dienstag, 27. April 2010

[Free Movie] Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?

"Kuhle Wampe" ist der einzig wirklich kommunistische Film der Weimarer Republik und ein Meisterwerk. Für die Einen mag der Film wie plumpe Propaganda wirken, aber beim genauen Hinsehen und Hinhören entpuppt er sich als ein höchst wertvolles Zeitdokument der Weimarer Republik und der Zensurgeschichte.

Zensur.
So spiegeln Drehbedingungen die Verhältnisse in der Endzeit der Weimarer Republik wieder. Der Film wurde relativ schnell nach Fertigstellung verboten. Die filmische Darstellung und die Handlung zeugen von einer Entindividualisierung, während die Dialoge von einer Vielschicht an gesellschaftlichen Ansichten geprägt sind. Anhand des Schicksals einer arbeitslosen Familie in der Wirtschaftskrise der 1930er veranschaulicht der Film die Not sowohl der arbeitslosen als auch der werktätigen Bevölkerung. Zwar fängt der Film mit dem Selbstmord eines verzweifelten jungen Arbeitssuchenden an, hört aber mit dem Singen des "Solidaritätsliedes" auf. So traurig ist die Lage dann doch nicht und es gibt Hoffnung. Dies zeigt mal wieder, dass Brecht keineswegs ein Pessimist war, sondern ein unversöhnlicher Optimist. Egal wie verzweifelt die Lage ist, man ist darin nicht alleine.

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?
Dudow, Brecht, Eisler: Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt?
1932, 75 min., 35 mm, b&w
Regie: Slatan Dudow
Drehbuch: Bertolt Brecht, Ernst Ottwalt, Slatan Dudow
Musik: Hanns Eisler
Darsteller: Hertha Thiele (Annie), Ernst Busch (Fritz), Adolf Fischer (Kurt), Martha Wolter (Gerda), Lilli Schönborn (Mutter Bönike), Max Sablotzki, Gerhard Bienert


Die, denen sie nicht gefällt.
Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? So lautet der volle Titel des dezidiert kommunistischen Films. Schöpfer war ein junger Bulgare, der in der deutschen Hauptstadt Theater- und Filmkunst studierte: Slatan Dudow. Mit einer kleinen Handkamera hatte er einen Dokumentarstreifen über die Wohnverhältnisse des Berliner Proletariats gedreht, der den Titel trug: "Wie wohnt der Berliner Arbeiter?" Der Dokumentarfilm gab den Ansporn, einen Spielfilm zu drehen. Das Szenarium verfassten Bertolt Brecht und Ernst Ottwalt, die Musik schrieb Hans Eisler.

"Wir hatten es schwer, unsern Film durchzubringen. Aus dem Haus gehend, verhehlten wir nicht unsere Wertschätzung des scharfsinnigen Zensors. Er war weit tiefer in das Wesen unserer künstlerischen Absichten eingedrungen als unsere wohlwollendsten Kritiker. Er hatte ein kleines Kolleg über den Realismus gelesen. Vom Polizeistandpunkt aus."

(Bertold Brecht: Kleiner Beitrag zum Thema Realismus.
Schriften zum Theater, Band II. Frankfurt am Main 1963)

Titel.
Die etwas legere Übersetzung von "Kuhle Wampe" mit einem "coolen Bauch" ist nicht korrekt. Ein Berliner Motorrad-Club, der sich diesen Namen zugelegt hat, klärt auf: "Der Begriff "Kuhle Wampe" hat nichts mit "cool" zu tun. Er kommt aus dem Berliner Raum und heißt soviel wie "leerer Bauch"." Doch dies scheint nur eine Berliner Lesart zu sein. Der Name leitet sich von der Berliner Siedlungskolonie "Kuhle Wampe" her. Sie befand sich am südlichen Ufer des Großen Müggelsees und hieß angeblich so, weil das Ufer bauchig und das Wasser selbst im Sommer kühl war. 1913 entstand hier das erste Zeltdorf, das zehn Jahre später dreihundert Menschen ein primitives Zuhause bot, die meisten unter ihnen waren Arbeiter und Arbeitslose.

Handlung.
Berlin 1931. Vater Boenicke und sein Sohn Franz sind wie hunderttausend andere auch arbeitslos, Tochter Anni hat eine schlecht bezahlte Anstellung in der Fabrik. Als Franz sich das Leben nimmt und die Familie kurz darauf ihre Wohnung räumen muss, zieht sie in die Zeltkolonie "Kuhle Wampe" vor den Toren Berlins. Anni überwirft sich mit ihrem Freund Franz, von dem sie schwanger ist, und zieht zu ihrer Freundin Gerda, die gerade ein großes Arbeitersportfest organisiert. Bei der Veranstaltung finden Anni und Franz wieder zueinander, und auf der Heimfahrt kommt es zum berühmten Schlussdialog. Kleinbürger und Arbeiter in der Berliner S-Bahn geraten über die Ursachen und Lösungen der aktuellen weltwirtschaftlichen Krise aneinander. Als ein Kleinbürger provokant fragt, wer denn die für ihn wohlgeordnete Welt verändern wolle, erwidert ihm eine Arbeiterin – und das ist das Schlusswort: "Die, denen sie nicht gefällt."

Links:
Free Movie: Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?
Filmkritik + Materialien + Links

Freitag, 20. Februar 2009

Europe goes Oscar: Sieben von der EU geförderte Filme sind für Oscars nominiert

Bei den diesjährigen Academy Awards sind sieben durch das MEDIA-Programm geförderte Filme für Oscars nominiert: Der Baader Meinhof Komplex (Deutschland, Uli Edel), Entre les murs (Frankreich, Laurent Cantet), Waltz with Bashir (Israel/Frankreich/Deutschland, Ari Folman), Happy Go Lucky (UK/Mike Leigh), The Duchess (dt. "Die Herzogin", UK/Frankreich/Italien, Saul Dibb), Slumdog Millionaire (UK/USA, Danny Boyle) sowie die bereits ausgezeichnete Dokumentation Man on Wire (UK/USA, James Marsh) (Kurzbeschreibungen im Anhang).

Aus dem MEDIA-Programm der EU wurden beträchtliche Finanzmittel für diese auf der Liste der Oscar-Nominierungen weit oben stehenden Filme bereitgestellt: Der Beitrag belief sich allein für diese Filme auf insgesamt 3 028 000 EUR, und für den Kinovertrieb werden voraussichtlich noch weitere Mittel verfügbar gemacht.

Letztes Jahr wurde die von MEDIA geförderte deutsch-österreichische Koproduktion "Die Fälscher" (IP/08/298) mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. 2007 gewann der ebenfalls durch das MEDIA-Programm mitfinanzierte deutsche Film "Das Leben der Anderen" den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. 2006 wurde der französische Film "La Marche de l'empereur" (dt. "Die Reise der Pinguine"), eine weitere durch MEDIA geförderte Produktion, mit dem Oscar für die beste Dokumentation geehrt.

Das MEDIA-Programm der EU spielt durch die Unterstützung und den Vertrieb von Tausenden Filmen sowie durch Fortbildungsmaßnahmen, Festivals und Förderprojekte in ganz Europa eine zentrale Rolle für die Förderung des audiovisuellen Sektors Europas. Neun von zehn europäischen Spielfilmen, die außerhalb ihres Herkunftslandes gezeigt werden, haben Unterstützung aus dem MEDIA-Programm erhalten.

Mehr:
EU-Media-Programm
The OSCAR

Montag, 5. Januar 2009

"Der Moment” und wie ein Kurzfilm entsteht

Die Filmakademie Baden-Württemberg uns mit “The Moment” nicht nur einen schönen Kurzfilm zum Download. Der Animationsfilm "Der Moment" von Csaba Letay und Verena Fels wurde Ende Mai 2008 beim "12th International Seoul Cartoon & Animation Festival" (SICAF) in Korea als Wettbewerbsteilnehmer gezeigt.

Der animierte Kurzfilm “The Moment” handelt von einem Autounfall zwischen einem Mannund einer Frau. Der Unfall wird in Ultra-Slow-Motion dargestellt und zeigt unglaublich detailliert, wie sich beispielsweise der Airbag aufplustert. Und vor allem, was einem während eines solchen Crashs wiederfahren kann.



Die StudentInnen Verena Fels und Csaba Letay der Filmakademie Baden-Württemberg stellen auf der Website zum Film gleichzeitig auch das Storyboard und ein kleines MakingOf zur Verfügung. Der Besucher erfährt so viel über die Entstehung eines digitalen Kurzfilms.

The Moment - Storyboard und Film