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Sonntag, 5. Februar 2012

Domenico dell'Allio

 "Dell-Allijev-Fenster" - Quelle: On the Trace of Domenico dell'Allio 
Am 22.Juni 1558 verlieh Kaiser Ferdinand I. Domenico d' Allio und seinen Nachkommen (und derer gab es viele und ebenso tüchtige) ein Adelspatent als "architector et artifex insignis, Edler des Königreiches Böhmen". In Kroatien werden die für ihn typischen Fensterformen bis heute "dell-Allijev-Fenster" genannt!

Domenico dell'Allio (um * 1515 in Scaria, nach anderen Quellen um 1505 in Lugano, † 1563 in Graz oder in Kroatien) als Spross einer großen Künstlerfamilie geboren, verwendete im Grazer Landhaus die Pfeilerarkade als Leitmotiv seiner Renaissancearchitektur, ist aber nicht nur als Baumeister des wichtigsten Grazer Monuments hervorzuheben. Dieser um 1560/70 entstandene Bau, mit den für Domenico dell'Allio typischen Fensterformen (Biforien und Triforien), besticht vor allem durch die Harmonie seiner mehrgeschossigen Pfeilerarkaden. Es ist für diese Bauten auffallend, dass die architektonische Gliederung und ihre Proportion über den Dekor dominieren. Dell'Allios Vater war unter anderem auch in Radkersburg tätig, die beiden Brüder in Marburg (Maribor) und in der ehemaligen Untersteiermark. Hauptwohnsitz Domenicos wurde Graz. Neben dem Admonter Hof und dem Eisernen Tor gebührt seinem Hauptwerk, dem Landhaus, sicherlich die größte Aufmerksamkeit. Die steirische Landschaft beauftragte ihn in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Francesco Marmoro und dessen Bruder Antonio Marmoro mit der Errichtung der wichtigsten Repräsentationsbauten in Graz. Das Grazer Landhaus, dessen Haupttrakt ein Werk Domenicos ist, zählt heute zu den bedeutendsten Renaissancedenkmalen nördlich der Alpen.

Dell-Allijev-Fenster. Der Geist der Renaissance lässt sich nicht nur in der Residenzstadt Graz aufspüren, auch ins Land drang er vor; das sogenannte "Duscherhaus" in Schöder bei Murau sei genannt, wo die Doppelbogenfenster aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine deutliche Sprache reden. Fenstermotive dieser Art (auch Schloss Stadl bei Murau) gehen auf eben diesen wichtigsten steirischen Baumeister des 16. Jahrhunderts, eben auf dell'Allio, zurück. Er trug besonders mit dem Bau des Grazer Landhauses und Arbeiten an der Festung Warasdin / Varaždin zur Verbreitung oberitalienischer Renaissanceformen in der Steiermark und im nördlichen Kroatien bei. In Kroatien werden die von ihm favorisierten und typischen Fensterformen (Biforien und Triforien) bis heute "dell-Allijev-Fenster" genannt! Die italienischen Architekten waren eben nicht nur Spezialisten im Festungsbau, sie hinterließen ihre unübersehbaren Spuren auch im profanen Bereich. Religiöse Streitigkeiten lähmten damals die Bautätigkeit der Kirche, umso mehr bauten die italienischen Spezialisten zahlreiche Stadthäuser, Palais, Schlösser und andere Bauwerke im Stil der italienischen Renaissance.
Link ➨         Dell'Allio, Domenico
"Verwelschung". Im 16. und 17. Jahrhundert wanderten zahlreiche Italiener, zu jener Zeit "Welsche" genannt, in den steirischen Raum ein. Diese "Welschen" kamen vorwiegend aus dem Herzogtum Mailand, aus den südöstlichen Regionen der Schweiz und der Republik Venedig; weiters aus den südlichen Gebieten Innerösterreichs sowie aus den Hafenstädten Triest und Fiume/Rijeka. Auffällig dabei ist, dass die Mehrheit der Bau- und Künstlerfamilien aus Como, dem nordwestlichen Teil der Lombardei, stammten. Diese sogenannten Comasken kamen vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in großer Zahl in das Herzogtum Steiermark.

Unter Domenico dell´Allio entstand auch eine Art Baumeisterschule, die in der Steiermark und an der sogenannten slawonisch-kroatischen Militärgrenze wirkte. Von Mitte des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zählt man an die einhundertzwanzig italienischen Baumeister, die in der Mittel- und Untersteiermark tätig waren. Diese Dominanz italienischer Bauleute wurde von den steirischen missmutig zur Kenntnis genommen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatten die Italiener auch in der Maurer- und Steinmetzzunft die führende Position inne. 1638 beispielsweise bestand der Zunftvorstand aus elf italienischen und nur einem steirischen Meister. Mit der Stelle des Hofbaupoliers wurden zwischen 1565 und 1663 ausschließlich Italiener betraut.

Er war der Doyen einer Schule von über hundert Comasken, die er mit sich gezogen hatte und die im 16. Jahrhundert an vielen Festungen zur Abwehr türkischer Expansion aber auch an anderen Bauwerken in Österreich, Kroatien und Slawonien gearbeitet haben. Deutsche Namen nehmen sich in der Vielzahl der italienischen Baumeister in dieser Zeit als Seltenheit aus, und man hat deshalb von der "Verwelschung der Baumeisterzunft" gesprochen.

Militärarchitektur. Die Hauptursache für diese Wanderbewegung stellten allerdings die politischen Verhältnisse des 16. Jahrhunderts dar: Die Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich führten zur Notwendigkeit, die Festungen zu erneuern und sie den veränderten Kampftechniken anzupassen. Mit Domenico dell'Allios Berufung zum römisch kaiserlichen Oberbaumeister der Innerösterreichischen Lande wurde auch für viele italienische Bauleute der Weg nach Österreich geebnet. Domenico nutzte seine Position, um Landsleuten aus der Gegend von Como und Lugano gut bezahlte Stellungen im Baugewerbe zu verschaffen. Zudem war es wegen der brisanten politischen Lage von großer Wichtigkeit, diese baulichen Erneuerungen rasch und in allen Städten gleichzeitig von erfahrenen Baumeistern, und das waren die Italiener, in Angriff zu nehmen.

Mit seinen Kenntnissen in der Fortifikation - er war einer der bedeutendsten Techniker und Ingenieure der Kriegsbaukunst seiner Zeit - kontrollierte er für Graf Ungnad u.a. Bauarbeiten an Befestigungen in Kopreinitz / Koprivnica, Kreuz / Križevci und Festung Ivanić / Ivanić Grad. Er wirkte bei den Befestigungsanlagen sowohl in Klagenfurt (Plan zur Stadtbefestigung, 1535 vermutlich Einfluss auf Schickhardts Plan für Schloss Freudenstadt, 1599) als auch wie erwähnt in Graz (Bebauungsplan der Stadt nach Großfeuer, 1540 Ausstattung eines Stadtschlosses mit Basteibefestigung nach italienischer Art, 1543, fortgeführt 1557) wie auch an den Befestigungsanlagen 1544 in Wien mit.

Bereits die erste "Türkenbelagerung" Wiens (1529) hatte gezeigt, dass die mittelalterliche Stadtbefestigungen den modernen Belagerungstechniken nicht mehr gewachsen war. Kaiser Ferdinand I hielt sich während der Belagerungszeit Wiens in Innsbruck auf. Wien hatte zur Verteidigung lediglich eine aus dem 13. Jahrhundert stammende 4,5 km lange Ringmauer, die bereits in einem miesen Zustand war. In den innerösterreichischen Ländern begann man aber aus finanziellen und politischen Gründen jedoch erst ab Mitte der 1540er Jahre ein umfassendes Befestigungskonzept zu erstellen. Von Prag aus bestimmte Ferdinand I. am 10. Juli 1544 auf Druck des steirischen Landtages, dass Graz entsprechend der neuen Waffentechnik - d.h. der verbesserten Feuerwaffen und der Artillerie - zu einer angepassten Hauptfestung aus- und umgebaut werden. Man beschloss also, zur Abwehr des expansiven Osmanischen Reiches gut befestigte Plätze zu errichten.
Link ➨         On the Trace of Domenico dell'Allio
Italienische Technik. Es war eben eine Zeit der (Türken-)kriege, die von den Baumeistern Wehr- und Verteidigungsanlagen forderten. Schon früher hatten sich anerkannte Künstler mit militärischen Bauten befasst. So auch Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer, der schon im Jahr 1471 eine illustrierte Abhandlung über Befestigungsanlagen veröffentlichte. Dürers Entwürfe zeigten mittelalterliche Rundtürme, die für die Bestückung mit Kanonen modernisiert und mit vertikal gebogenen Zinnen zur Ablenkung einschlagender Kugeln versehen waren. Leonardo da Vinci war als Festungsarchitekt und Erfinder von Belagerungsmaschinen und anderen Waffen anerkannt.

Fast alle Bauformen der italienischen Renaissance, wie Säulen, Pilaster, Tonnengewölbe, Kuppel sind nach den Vorbildern der griechischen oder römischen Antike entstanden. Nur die typischen Elemente der Wehrbauarchitektur wie Bastionen, Horn- und Scherwerke der Stadtbefestigungen sind aufgrund gänzlich anderer Waffentechnik logischerweise ohne antike Vorbilder geblieben. Ihr Einfluss auf das Baugeschehen der Welt war groß: Die Festungsbauten zeigen bis ins 19. Jahrhundert die Formen, die um 1500 in Italien entwickelt wurden und die Architekturgeschichte vermerkt, dass es im 16., 17. und 18. Jahrhundert eigentlich nur einen "Internationalen Stil" gab, nämlich den der Militärarchitektur.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Ceppelina - die Stadt der Zukunft

Graf Zeppelin in Friedrichshafen arbeitete mit dem Erfinder der Rasierklinge King Champ Gillette an der Planung einer Stadt "Ceppelina". 

1982 fand man in einem Archiv der Universität von São Paulo einige Zeichnungen und Pläne, die das Wirken King Camp Gillette's um eine erstaunliche Variante erweiterte und sein Werk weitaus komplexer erscheinen lässt als dies bisher bekannt war. Die gefundenen Zeichnungen und Dokumente, die auf die Jahre zwischen 1908 und 1909 datiert sind, belegen, dass Graff Zeppelin und King Camp Gillette gemeinsam an Entwürfen zu einer Großstadt für ungefähr zehn bis fünfzehn Millionen Menschen arbeiteten, die auf einem 14.400 Quadratkilometer großen Bereich angesiedelt werden sollte. Der Ort: das heutige Brasilia.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 5. Jänner

Samstag, 2. Juli 2011

Technologische Poesie im öffentlichen Raum

Am 1. Juli 1953 scheidet Jean Prouvé - einer der herausragendsten Konstrukteure, Architekten und Designer des 20. Jhds - aus seiner Firma aus, als die "Aluminium Francais" die Mehrheits an seiner Firma übernimmt. Am Höhepunkt beschäftigte die "Société des Ateliers Jean Prouvè" 250 Leute. Prouvé bleibt aber die treibende, innovative Kraft.


Kreativer Unternehmer. Jean Prouvé begann seine Laufbahn 1916 mit einer Ausbildung als Kunstschmied im Umfeld der von seinem Vater geleiteten École de Nancy, einer Hochburg des Art Nouveau. Seine Kenntnisse ständig erweiternd, richtete er 1924 eine eigene Werkstatt ein und entwickelte sich zu einem Spezialisten auf dem Gebiet der Metallblechverarbeitung. Ab 1925 öffnet sich Prouvé der Moderne, lernt - namentlich über die Union des Artistes Modernes - die Werke der französischen Avantgarde kennen (Beaudouin, Le Corbusier, Garnier, Jeanneret, Lods, Mallet-Stevens, Perriand . . .), stattet sein Atelier mit neuen Maschinen aus. Es entstehen nicht nur Möbel (insbesondere heute sehr gefragte Stühle), sondern auch Treppengeländer, Aufzugschächte und fassadenartige Fensterfronten. Aus dem Kunsthandwerker wird ein Konstrukteur. Die praktische unternehmerische Tätigkeit bildet seitdem immer die Basis seiner Produkte. Über Kontakte erhält Jean Prouvé schnell Großaufträge für Gitter oder Glasflächen. Rasch nimmt der Einsatz von Blech zu; es werden Trennwände, Aufzugkabinen, Fenster- und Türrahmen entwickelt und in Serienfertigung mit bis zu fünfzehn Angestellten produziert. Durch diese Beschäftigung mit dem neuen Material verwandelte sich die Schmiede Werkstatt mehr und mehr in einen Konstruktionsbetrieb, die Esse wurde durch "kalte" Arbeiten wie Falzen, Schrauben, Schneiden ersetzt. Prouvé wurde somit vom Handwerker zum Industriellen. Einschränkung: Im Grunde bleiben seine Betriebe immer industriell organisierte Handwerksbetriebe.
1931 wird die Aktiengesellschaft "Ateliers Jean Prouvé" mit eigenem Forschungsbüro und vierzig Mitarbeitern gegründet. Die gut ausgelastete Metallbaufirma betreibt dank ihrer Serienanfertigungen ein schwunghaftes Geschäft mit Bauteilen und eigenen Möbelentwicklungen. Vom Türknauf bis zum Fliegerklub, vom Operationssaal bis zur Telefonzelle hat Jean Prouvé (1901-1984) so ziemlich alles in Form gebracht. Bei Prouvé folgte die Theorie der Praxis, die Zeichnung dem Prototyp und ästhetische Qualitäten waren nicht Ziel, sondern das Ergebnis seines Schaffens.

Innovativer Künstler. Von großer Bedeutung ist der nicht ausgeführte Entwurf für einen Busbahnhof in La Villette (1933), der in Gänze aus gefaltetem Stahlblech hätte bestehen sollen: Eine Vorwegnahme des Aéro-Club in Buc (1936) und der Maison du Peuple (Haus des Volkes) in Clichy. Die Maison du Peuple in Clichy (1939) zeigt exemplarisch Prouvés Fähigkeit, noch für die komplexesten Bauvorgaben eine einfache, funktionsfähige Lösung zu finden. Das modulable Gebäude dient wahlweise als Kino- oder Ballsaal für 500 Personen, als großer Saal für 2000 Zuschauer oder als Markthalle. Dies wird dank dem abnehmbaren Fußboden im ersten Stock möglich: Ohne ihn hat man ein Atrium mit Umläufen (das Glasdach kann zudem wie ein horizontales Schiebefenster geöffnet werden, um den Markt unter freiem Himmel abzuhalten). Mit dem Fußboden entsteht ein großer oder - dank beweglichen Trennwänden - kleiner Saal.
 Link ➨         Design im öffentlichen Raum
Der Avantgardist war während des II. Weltkrieges in der Résistance aktiv und nach dem Rückzug der deutschen Besatzer für kurze Zeit Bürgermeister von Nancy. 1944 öffnet Prouvé seine Ateliers in Maxéville bei Nancy, in denen er bis zur Mehrheitsbeteiligung der französischen Aluminium-Gesesellschaft eine auf der finanziellen und kreativen Mitbeteiligung der Angestellten begründete Form der Arbeitsteilung perfektioniert, die ihrer und wohl auch wieder unserer Zeit weit voraus ist. 110 Arbeiter und 60 Angestellte entwickeln in enger Verknüpfung zwischen Büro und Ausführung zahlreiche Prototypen wie Fassaden, Dachelemente wie Schalen oder Sheds, ganze Häuser, leichte Vorhangfassaden. Dort erforscht er neben industriell gefertigten Metallhäusern und vielem mehr die Möglichkeiten des "Mur-rideau", der "Vorhangfassade" die er gegen 1930 mit erfunden hat: Während die tragenden Strukturen ins Innere des Gebäudes verlagert sind und dort z. B. die Sanitär- oder Küchenanlagen aufnehmen, hat die Fassade sich anderen Problemen zu stellen, wie Wärmeisolierung, Licht, Belüftung, Sonnenschutz, Ästhetik. 
Trotz Rationalisierung und industrielle Organisation gab es kein Fließband, gleiche Konstruktionen wichen beträchtlich von einander ab und erlaubten Individualisierung und Verbesserung. Die Innovationskraft und der Ideenreichtum von Jean Prouvè kannte keine Grenzen und machte auch vor Häuser "ab Werk" keinen Halt. Am Höhepunkt seiner Fertigung beschäftigten die "Société des Ateliers Jean Prouvè" 250 Arbeitnehmer. Doch zum 1. Juli 1953 scheidet Jean Prouvé aus seiner Firma aus, als die französische Aluminium-Gesellschaft die Mehrheitsbeteiligung an seiner Firma übernimmt, die 1956 den Namen wechselt und 1981 geschlossen wird. Der Hauptaktionär "Aluminium Francais" fordert die Vereinheitlichung der Produktion. Trotz der Übernahme bleibt Jean Prouvé die treibende, innovative Kraft. Er scheitert jedoch an der Verwaltung und Produktionsorganisation.

Legendär ist seine Lehrtätigkeit von 1958 bis 1971 am Conservatoire national des arts et métiers in Paris, welche die nachfolgende Architektengeneration beeinflusst. Konstruktive Vernunft, neueste Techniken der Materialbearbeitung und Unternehmungsgeist - drei Eigenschaften, die Zeit seines Lebens als Grundsatz beherzigt wurden und die Vorbild für ganze Heerscharen von Designern wurden. Nebenbei beteiligt er sich an Bauvorhaben und betätigt sich als Berater. Im Jahre 1971 präsidiert er die Jury für den Architekturwettbewerb des Centre Pompidou; das Siegerprojekt von Piano und Rogers übernimmt in seiner ursprünglichen Form wesentliche Elemente der Maison du Peuple.
Jean Prouvé. (* 8. April 1901 in Paris, † 23. März 1984 in Nancy) Im Alter von 15 Jahren begann Prouvé 1916 auf Betreiben seines Vaters eine Lehre als Kunstschmied. Das Kunstschmiedehandwerk war zu dieser Zeit ein gefragtes Handwerk, die Architektur war durch die Schule von Nancy (Prouvé's Vater war Mitbegründer und Lehrer) eine stark ornamentale und vom Jugendstil geprägte. 1923 gründete Prouvé eine eigene Werkstatt, die bald einen anorganischen, ornamentfeindlichen Stil entwickelt auf den Architekten wie Le Courbusier aufmerksam werden. Bei ersten Möbelentwürfen verwendete Prouvé bereits damals Stahlblech das durch Falzen zusätzliche Stabilität erlangte.
 Link ➨         LE MUSEE JEAN PROUVE (1901-1984)
Er gilt als ein Poet der Technik. Statt schön zu zeichnen, skizzierte er bestenfalls flüchtig. Vor allem aber experimentierte er in der eigenen Werkstatt: Jean Prouvé begann als Kunstschlosser zwischen Art Nouveau und Art Deco, tauschte die Welt des Luxus und der Moden gegen die Teilnahme am Aufbruch in das von ihm erhoffte sozial gerechte Industriezeitalter. Sein Lieblingsmaterial waren gestanzte und gebogene Bleche. Sein Oeuvre umfasst Entwürfe vom Brieföffner angefangen über Tür- und Fensterbeschläge sowie Leuchten bis hin zu vorgefertigten Architekturmodulen in Leichtbauweise aus Metall und Aluminium. Prouvé gilt heute als einer wichtigsten Pioniere der Serienfertigung von Möbeln und der Industrialisierung des Bauens. Ein Beispiel dafür ist die 1951 von Prouvé gemeinsam mit seinem Bruder Henry entworfene Tankstelle für die Firma Socony-Vacuum/Mobiloil. Sechs dieser Serientankstellen wurden realisiert, drei überlebten bis zum heutigen Tag.
 Link ➨        Jean Prouvé - Design Museum Vitra
Die manufakturelle Produktion in Nancy, die Einzel- und Serienfertigung erlaubte, umfasste Standardstühle und Schulmöbel ebenso wie Ruhesessel und Schreibtische. Dank seiner Erforschung des technischen Denkens und der Objekte, die aus dieser Beschäftigung hervorgegangen sind, war er eine der großen Gestalten in Architektur und Design des 20. Jahrhunderts. Kein Geringerer als Le Corbusier lobt: "In Jean Prouvé vereinigen sich Architekt und Ingenieur, richtiger noch, Architekt und Baumeister, denn alles, was er anfasst und gestaltet, bekommt sofort eine elegante und plastische Form, mit glänzend verwirklichten Lösungen in Bezug auf Haltbarkeit und industrielle Fertigung". 

Mittwoch, 29. Juni 2011

Der Stuhl Petri in der Türkei

Am 29. Juni 1627 wurde durch Papst Urban VIII. das 29 Meter hohe und 63 Tonnen schwere Barockgebilde, der Baldachin für den Papstaltar im Petersdom von Gian Lorenzo Bernini angefertigt, eingeweiht. Intention von Gian Lorenzo Bernini war der Bischofsstuhl des Apostel Petrus, auf den die Päpste als seine Nachfolger ihren Primat zurückführen.

Stuhl Petri in der Türkei. Über dem Papstaltar errichtete Bernini im Auftrag des Papstes Urban VIII. das Altarziborium. Mit diesem Werk, dessen Höhe (29 m) der des Palazzo Farnese entspricht, einen neuen Typ des Altarziboriums. Ein Gegenstück zum Papstaltar ist die Cathedra Petri in der Chorapsis, ebenfalls ein Werk Berninis (1657-1666). Intention Berninis war der Bischofsstuhl des Apostel Petrus, auf den die Päpste als seine Nachfolger ihren Primat zurückführen. Natürlich war dieser Bischofsstuhl auch eine propagandistische Aussage in Zeiten des Glaubenskrieges und des Streits über die Führung der Christen durch Rom.

Die Frage - ob Petrus je Bischof von Rom, geschweige denn überhaupt je in Rom war, bleibt bis heute ausschließlich Spekulation. Weder aus den biblischen Texten noch aus sonstigen Quellen geht eine derartige Anwesenheit schlüssiger hervor als seine Abwesenheit. Die Wirksamkeit des Petrus in Antiochia - dem heutigen Antakya in der Türkei - ist dagegen unbestritten. Aber auch hier macht ihn die propagandistische  Überlieferung zum ersten Bischof an diesem Ort, der 42 n. Chr. dort seinen Sitz genommen habe - den "Stuhl Petri". 
Das Patriarchat von Antiochia (oder Antiochien) soll vom Apostel Petrus bereits im Jahre 34 n. Chr. gegründet worden sein. Die legitime Nachfolge des Patriarchats beanspruchen nach einer Spaltung im 5. Jahrhundert und weiteren folgenden Spaltungen heute mindestens drei christliche Kirchen für sich. Somit sieht jede Kirche ihren jeweiligen Patriarchen als legitimen Nachfolger des Apostel Petrus auf der Kathedra von Antiochien an. Keiner dieser Patriarchen residiert aber heute noch in der Stadt Antiochia (heute Antakya in der Türkei). Immerhin gilt die dortige "Petrus-Grotte" als erste christliche Kirche der Welt. Die syrisch-orthodoxe Kirche, deren Patriarch einst in Antiochien residierte (heute in Damaskus) besteht bis heute darauf, dass der "Stuhl Petri" von Antiochien älter ist als der "Stuhl Petri" zu Rom und kann als Beleg dafür immerhin die Apostelgeschichte anführen.  
Seit der Kreuzzugszeit bis 1953 gab es auch noch einen Lateinischen Patriarchen von Antiochia, der nach dem Scheitern der Kreuzfahrerstaaten in Rom residierte und keine praktische Funktion mehr hatte. 1953 starb der letzte Amtsinhaber, 1964 wurde der Posten in Übereinkunft von Papst Paul VI. und dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel Athenagoras gemeinsam mit den beiden anderen lateinischen Patriarchaten von Alexandria und Konstantinopel abgeschafft.  
Nach der Apostelgeschichte des christlichen Evangeliums wurden die ersten christlichen Gemeinden auf dem Gebiet der heutigen Türkei von Gläubigen gegründet, die vor der Verfolgung durch Saulus bzw. Paulus aus Judäa flohen. Die Stadt Antiochia wird ausdrücklich genannt. Dort hin wurde Paulus gerufen, nachdem er sich nach seiner Bekehrung eine Zeitlang in seiner Geburtsstadt Tarsus aufgehalten hatte, die ebenfalls in der heutigen Türkei liegt.

Ein dichtes Netzwerk von Städten und jüdischen Gemeinden, eine einheitliche Sprache, religiöse Aufgeschlossenheit – das Gebiet der heutigen Türkei bot den frühen christlichen Missionaren ideale Ausgangsbedingungen. Nicht nur Paulus hat hier gewirkt und die meisten seiner Briefe richteten sich an die Gemeinden in der "Türkei".

In Kleinasien kam es auch zu entscheidenden Weichenstellungen für das junge Christentum: Hier hat sich auf den Konzilen in Nizäa, Konstantinopel und Ephesus der christliche Glaube mit bis heute gültigen Lehrsätzen formiert, hier fiel zum ersten Mal die Bezeichnung „Christen“. Wie überhaupt bis ins 10. Jahrhundert sämtliche Konzilien in Anatolien abgehalten wurden, und zwar in Nizea/Iznik das erste (325) und das siebte (787), in Konstantinopel/Istanbul das zweite (381), fünfte (553), sechste (680 – 81) und achte (869 – 70), in Ephesos das dritte (431), in Chalzedon/Kadiköy das vierte (451). 
Die in der Offenbarung des Johannes erwähnten, Kirchen  liegen in Anatolien: Ephesos (Efes), Smyrna (Izmir), Laodicea ad Lycum (Denizli,Goncali), Sardis (Sart), Pergamum (Bergama), Philadelphia (Alasehir) und Thyatira (Akhisar). Dass der Nikolaus ein "türkischer" Bischof gewesen sein soll, ist hinlänglich bekannt. Ja selbst das "Alte Testament" verzichtet nicht auf die Türkei: Der Ararat in Anatolien war der biblischen Erzählung nach der Ort, an dem der Arche Noah landete.   
Papa. In der römisch-katholischen Kirche stammt die erste bekannte Verbindung des Titels "Papst" mit dem Bischof von Rom aus der Zeit des Marcellinus († 304), der in der Grabinschrift des Diakons Severus so bezeichnet wird. Bischof Siricius von Rom (385–399) bezeichnet sich als erster amtlich als Papa, als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom wird der Begriff von Gregor I. (590-604) gesetzlich festgeschrieben. Vorher (ab dem 3. Jahrhundert) war es eine Ehrenbezeichnung für Bischöfe, Patriarchen und Äbte vor allem im Orient – da die koptische Kirche bereits seit dem Konzil von Chalcedon 451 nicht mehr zur gleichen Kirche wie die lateinische gehört, führt ihr Oberhaupt ebenfalls den Titel Papst. Im fünften Jahrhundert entstehen mehrere Bistümer, an deren Spitze Bischöfe als oberste Priester stehen, die so genannten Patriarchen. Darunter ragen 5 Patriarchate als besonders bedeutend hervor. Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem bilden die Spitzen der "Weltkirche". Seit Leo I. (Bischof von Rom 440 bis 461) führt der römische Papst die Bezeichnung "Pontifex Maximus", die bis zu Kaiser Gratian der römische Kaiser als oberster römischer Priester trug.
Primat. Papst Leo der Große (440-461) wird schließlich das Primat, den Alleinvertretungsanspruch des römischen Patriarchats durchsetzen, indem er den Papst, also sich selber als Stellvertreter Petri definiert. Auf dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 wird allerdings auch dem Patriarchen von Konstantinopel ein Primat zugesprochen, die Ostkirche beginnt sich von der westlich-römischen Kirche zu entfremden. Die Entfremdung gipfelt schließlich im Morgenländischen Schisma von 1054, das die Trennung der römisch-katholischen von der orthodoxen Kirche für immer besiegelt.
 Link ➨         Gian Lorenzo Bernini - Wikipedia
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Gian Lorenzo Bernini. (Gianlorenzo Bernini, Giovanni Lorenzo Bernini, Dzhovanni Lorentso Bernini *7.12.1598 Neapel, †28.11.1680 Rom) Er war einer der bedeutendsten italienischen Bildhauer und Architekten. Er hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der barocken Skulptur und Architektur in Rom. Ausgebildet wurde Bernini in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters Pietro Bernini (1562-1629).

Metamorphosen. Zunächst wird Bernini mit Skulpturen wie David, die Gruppen Pluto und Proserpina oder Apollo und Daphne bekannt. Sie sind in der Villa Borghese in Rom zu sehen und fallen durch ihre außergewöhnliche Dynamik, Bewegungsrichtung, dramatische Licht-Schatten-Effekte und erregende Gebärden auf. Seine Skulpturen sind stilistisch stark an den Hellenismus bzw. Ovids "Metamorphosen" angelehnt. Das Standbild "Apollo und Daphne", die für Kardinal Borghese geschaffene Statue des "David"(1623-24) oder der Triton-Brunnen (1640) sind die wohl bekanntesten unter ihnen.

Ekstase. Später (1654-62) meißelt Gianlorenzo einem Marmorblock das Kunstwerk "Die Ekstase der Hl. Teresa", heute in der Privatkapelle der Familie Cornaro. Er inszenierte die Verzückung der heiligen Therese von Avila. Ein lächelnder Engel zielt mit einem Pfeil auf das Herz der Heiligen, die zitternd vor Sinnlichkeit erbebt. Mitglieder der Adelsfamilie sehen dem Schauspiel in den seitlichen Logen zu. Spanische Mystik, barockes Lebensgefühl, heidnischer Eros und religiöse Ekstase steigern sich hier zum Glaubenswunder. Der Altar der hl. Therese ist eines der meist bewunderten und zugleich am heftigsten abgelehnten Werke der religiösen Kunst. Bernini schuf ihn im Auftrag des venezianischen Kardinals Cornaro. Nach des Künstlers Meinung sein Meisterwerk als Bildhauer.

Diplomatie. Mit viel Esprit versteht Bernini es, Kurie und Päpste so von seinen künstlerischen Plänen zu überzeugen als wären sie die ihren. Sein wichtigster Förderer, Papst Urban VIII., betraut den jungen Bernini mit dem Bau des Baldachins für den Papstaltar im Petersdom, den Bernini aus Bronze anfertigt (1624-33). Für den Hochadel des Kirchenstaates errichtet oder verschönert er in den Nobelbezirken Roms Paläste, z.B. Palazzo Barberini respektive Palazzo Chigi. Ein kluger Schachzug, schließlich haben die Barberini und Chigi mit Urban VIII. (Pontifikat: 1624-44) und Alexander VII. (1655-67) Familienmitglieder auf den Stuhl Petri gehievt.

Aber der eloquente Künstler wusste auch Pontifex Innozenz X. (1644-55), aus dem mit den Barberinis verfeindeten Haus der Pamphili, in seinen Bann zu ziehen. Als Berninis Fontana dei Quattro Fiumi (Vierstrombrunnen) am 14. Juni 1651 nach dreijähriger Bauzeit von Innozenz enthüllt wird, soll der Papst derart entzückt gewesen sein, dass er das Bauwerk eine volle Stunde von allen Seiten inspizierte. Zentrales Element des Brunnens stellt ein antiker ägyptischer Obelisk dar, auf dessen Spitze eine Taube mit Ölzweig im Schnabel sitzt - der geflügelte Friedensbringer war Symbol des Hauses Pamphili. Die vier um den hochaufragenden Obelisken angeordneten Götterfiguren stellen Donau, Ganges, Nil und Rio de la Plata dar - die damaligen Weltgegenden versinnbildlichend. Der Vierstrombrunnen kann als einzige Allegorie eines allumfassenden Herrschaftsanspruchs des Papstes gedeutet werden. Innozenz X. wusste diese aus Stein geschaffene Metapher zu schätzen.

Petersplatz. Bernini entwarf den Petersplatz zu der neuen Peterskirche (1656-1667). Das Grundrissnetz scheint sehr einfach, man stößt dennoch auf ungewöhnliche Lösungen und versteckte Ausbesserungen. Das Netz ist sehr komplex und ungleichmäßig. Das von Bernini geplante und geschaffene Meisterwerk besteht aus zwei miteinander verbundenen Plätzen: Der erste, größere ist ein an den Längsseiten geöffnetes Queroval; die Schmalseiten schließen über Kreissegmenten errichtete, 17 m breite Kolonnaden, die jeweils aus vier Reihen monumentaler dorischer Säulen und Pfeiler unter einem flachen Gebälk gebildet sind. Außerdem errichtete er im Vatikan die Scala Regia, die von der Kolonnade zu den Audienzsälen führt.

Grabmäler. Die Grabmäler für Urban VIII. und Alexander VII. und das Reiterstandbild von Konstantin zählen zu seinen Werken. Bernini genoss den Erfolg und wurde sogar nach Versailles eingeladen. Gian Lorenzo Berninis beste Skulpturen befinden sich in der Villa Borghese, die bereits erwähnte Verzückung der hl. Therese von Avila in der Kirche Sa. Susanna, die Büste von Innozenz X. in der Galerie des Palazzo Doria Pamphili. Als 70jähriger schuf Bernini die beiden Marmorengel. Sie waren jedoch zu Schade für die Engelsbrücke und gelangen auf Umwege in die Sa. Andrea delle Fratte.

Himmelfahrt. Die Santa Andrea al Quirinale, Berninis letztes und vielleicht eindrucksvollstes Werk gehört zu den Meisterwerken des römischen Barocks, bei dem das Gegenspiel von Kurven und Geraden zur Vollendung geführt ist. Papst Alexander II. erteilte Gian Lorenzo Bernini im Jahre 1658 den Auftrag zu den Bauarbeiten, die 1661 abgeschlossen wurden. Der Innenausbau zog sich aber bis 1675 hin. Über sie empfand Gian Lorenzo Bernini im Alter die größte Genugtuung. Sie ist mit allen Künsten ausgestattet, die der Barock zu bieten hat. Porphyrbekleidete Wände, der Strahlenglanz des Hauptaltars und die vergoldete Kassettendecke der Kuppel scheinen einzig dazu bestimmt, den Zuschauer mit in die Himmelfahrt des heiligen Andreas einzubeziehen.

Frankreich. Jules Mazarin, späterhin Kardinal und Erster Minister Frankreichs, lädt Bernini ein, nach Paris zu kommen. Anfangs will Alexander VII., der im Streit mit dem nationalistischen Kardinal liegt, seinen göttlichen Designer nicht gehen lassen. Einen Trakt des Louvre soll er in Paris verschönern, doch die künstlerische Expedition scheitert am praktisch veranlagten Finanzminister Colbert, der wenig übrig hat für pompösen, aber wenig funktionalen Barock hat. Seine Entwürfe für den Neubau des Louvre (1664-67) in Paris haben, obwohl sie letztlich nicht ausgeführt wurden, doch nachhaltigen Einfluss auf die europäische Profanbaukunst ausgeübt. Schlussendlich meißelt er den Sonnenkönig in Positur, richtet diesem dafür das Haar zurecht, er muss "die Stirn zeigen" und alsbald wird diese Haartracht zur höfischen nouvelle vague.

Francesco Borromini. Papst Urban VIII. hielt Bernini für einen neuen Michelangelo und prompt kritisierte ihn sein Größter Rivale, der schweizstämmige Francesco Borromini (25.9.1599 - 3.8.1667) aus Lugano, dass er nur Michelangelo kopiere. Als Risse im Petersdom auftreten, weiß dieser auch den Grund dafür: Auf dem weichen römischen Boden ist der von Bernini konstruierte südliche Glockenturm schuld, der dreimal so hoch und sechsmal so schwer sei, als er eigentlich sein dürfte. Gegensätze und die Nähe der rivalisierenden Künstler Francesco Borromini und Gian Lorenzo Bernini zeigen sich deutlich in den beiden Kirchen S. Carlo alle Quattro Fontane und S. Andrea al Quirinale. Borromini duldete keine kostspieligen und extravaganten Raumausstattungen, wie sie sein neapolitanischer Rivale verwendete.

Dienstag, 3. Februar 2009

Kooperation von MAK & departure: Investition in die Zukunft der Gesellschaft

MAK USB Stick von Bartosz Mucha aus dem MAK-Shop

Der 3. Februar 2009 stellt den Kick-off einer längerfristigen Kooperation zwischen MAK & departure unter dem Titel "design> neue strategien" dar. Ziel ist, in Wien eine neue Plattform für zukunftsorientierte, den Designbegriff erweiternde Projekte zu etablieren. Es ist ein einmaliges Beispiel der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zweier erfolgreicher und anerkannter Institutionen und der Kultur als Wirtschaftsförderungsprogramm. Vielleicht nicht so groß aber beispielgebend auch für Vorarlberg, angesichts Wirtschafts- und kulturpolitischer Defizite.

Investition in die Zukunft der Gesellschaft. In einer Zeit großer künstlerischer Freiheit müssen die Grenzen von Kunst und Design, Architektur und Gestaltung immer wieder ausgelotet – bisweilen aber auch gesetzt werden. Es ist die unbeirrbare Position des MAK, dass Design – ebenso wie Kunst und Architektur – eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft ist.

Mit Vorträgen, Präsentationen, einer Publikation und einem Ideenwettbewerb wird ein kontinuierlicher und interdisziplinärer Diskurs eröffnet. Die Schnittstelle von Design und Wirtschaft wird aktiv beleuchtet – und neu definiert. Es wird die Frage gestellt, wie sich Wien als Standort für junges Design international positionieren kann – mit dem langfristigen Ziel, sich zu einer Metropole wie London oder Mailand zu entwickeln und zu etablieren.

Dazu Peter Noever: "Experimentelles, unbequemes und provokantes Design muss gefordert und mit unternehmerischen Know-How gefördert werden. Design verwandelt Ideen in Strategien, Formen und Gestalten, in denen sich die Kultur spiegelt."

Ron Arad.
Den Auftakt für die Kooperation von MAK und departure macht am 3. Februar 2009 Ron Arad mit der Lecture "No Discipline". Im Anschluss präsentiert der bekannte britische Designer mit dem Objekt "Rotator" in der MAK-Säulenhalle ein Exempel intelligenten Designs. Der "Rotator", ein multifunktionales hydraulisches Bademöbel, wurde für den italienischen Hersteller Teuco entwickelt. Der Prototyp ist vom 04.02.2009–05.04.2009 im MAK zu sehen.

Omar Vulpinari.
Die nächsten Vorträge halten Omar Vulpinari sowie Gregor Eichinger. Omar Vulpinari leitet seit 1998 die Abteilung für visuelle Kommunikation bei Fabrica, einem Designpool junger und zumeist noch wenig bekannter Designer, die jedoch seit Jahren auf sich aufmerksam machen.

Gregor Eichinger.
Gregor Eichinger wird sich mit dem Thema "Das Kaffeehaus als urbaner Innenraum" auseinander setzen. Weiters ist ein Ideenwettbewerb unter dem Titel "Design Strategy for Vienna" geplant, der alle zwei Jahre stattfindet und sich international an Designer, Architekten, Gestalter und Creative Industries richtet.

Start up. Mit den drei letztlich ausgewählten Gewinnern des Ideenwettbewerbs wird in der Folge ein Ausstellungskonzept für den MAK DESIGN SPACE entwickelt. Als drittes Projekt ist "START_UP, Designer’s New Projects" geplant. Aktuelle, noch unveröffentlichte Projekte junger österreichischer Designer werden ausgestellt, die von den etablierten Designern dieser Kooperation ausgewählt werden. Jährlich sind zwei Präsentationen vorgesehen, mit denen die MAK-Programmreihe DesignShowcases© fortgesetzt wird.

departure. departure fördert Unternehmer und Unternehmensgründer der Creative Industries in Wien aus den Bereichen Design, Mode, Kunstmarkt, Architektur, Musik, Audiovision, Multimedia und Verlagswesen, die im urbanen Gefüge etwas bewegen wollen. Menschen, denen es ein Anliegen ist, internationales kulturelles und wirtschaftliches Flair in die Stadt zu holen und somit die Innovationskraft einer ganzen Region zu stärken. departure wurde im Herbst 2003 als Österreichs erste eigenständige Wirtschaftsförderungs- und Servicestelle gegründet und gilt inzwischen europaweit als erfolgreiches Modell der Innovationsförderung auf Wettbewerbsbasis. Außergewöhnliche Ideen und visionäre Projekte mit hohen inhaltlichen und wirtschaftlichen Ansprüchen bilden den Kern der Förderung durch departure.

Mehr:
departure - Creative Industries
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst /Gegenwartskunst, Stubenring 5, A-1010 Wien

Sonntag, 14. Dezember 2008

Friedl Dicker-Brandeis


Am 14. Dezember 1942 wird die Wienerin Friedl Dicker-Brandeis mit ihrem Gatten Pavel nach Theresienstadt deportiert. Dort fügt sie ihrer vielfältigen Kunst eine neue hinzu: Sie unterrichtet Kinder im Zeichnen und zeigte ihnen damit, dass es auch unter höllischen Bedingungen möglich ist, Selbstachtung und Würde zu bewahren.

Die begnadete Kunstpädagogin hat damit auch den Kinder von Theresienstadt eine Erinnerung bewahrt, die in ihren Malstunden zeichneten und malten und über 3000 Werke schufen, die zu den letzten Lebenszeugnissen vieler Kinder wurden.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: 14. Dezember 1942

Dienstag, 29. Juli 2008

Blickpunkt: Stuttgart Weissenhofsiedlung

"Die neue Architektur hat hier ihre Entscheidungsschlacht geschlagen ..." überschlug sich der Berliner Börsenkurier vom 29. Juli 1927. Gemeint war die Weissenhofsiedlung in Stuttgart, die unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe und 17 international angesehenen Architekten ein neues Wohnprogramm vorstellten.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: Ge(s)chichtspunkte:
29. Juli 1927