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Dienstag, 24. April 2012

1968: Kriegsblinde machen Rundfunk-Geschichte


Kriegsblinde, eine Gruppe von Menschen, denen man in der Gesellschaft bestenfalls noch die Bedeutung eines Lifescans für das Funktionieren eines Sozialsystems zugestand, haben just in Umbruchszeiten - da man daranging nicht nur die Kriegsblinden sondern ihre ganze (Kriegs-)Generation abzuschreiben - Kultur- und Mediengeschichte geschrieben:

Am 14. November 1968 wurde "Fünf Mann Menschen" im Zweiten Programm des Südwestfunks "urgesendet". Es war das erste von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker gemeinsam produzierte Hörspiel. Es sollte das erste Werk des "Neuen Hörspiels" sein, das zu öffentlicher Anerkennung gelangte: Die beiden Autoren erhielten am 22. April 1969 den Hörspielpreis der Kriegsblinden für das Jahr 1968. Damit war die renommierte Auszeichnung zum ersten Mal an ein experimentelles Stereo-Hörspiel vergeben worden, ein nur 14 Minuten langes "Kurzhörspiel", das sich in vielfältiger Weise von den Stücken der Autoren unterschied, die in den Jahren zuvor geehrt worden waren. Dieser Entscheidung kam programmatische Bedeutung zu: Es war die offizielle Anerkennung des "Neuen Hörspiels", dessen Erscheinungsformen zögernd in experimentellen Programmblöcken auftauchten. Die Jury förderte mit dieser Entscheidung die Tendenz des Hörspiels zum Experiment mit Sprache, Sprechweisen, Form und Stereophonie - "Fünf Mann Menschen" war das erste in voller Länge stereophon produzierte Werk und das erste Werk von nur fünfzehn Minuten Länge, das mit dem angesehenen Preis ausgezeichnet wurde.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 15. April
16.4.08/25.4.12/


Alfred Hitchcocks "Die Vögel" - Pionierwerk elektronischer Musik

Der bedeutendste Film Alfred Hitchcocks, "Die Vögel", wird am 28. März 1963 in New York uraufgeführt. Damit tritt auch ein Pionier der elektronischen Musik vor den Vorhang. Die unheimliche Klangkulisse für den Alfred- Hitchcock-Thriller "Die Vögel" ist synthetisch von Oskar Sala mit dem Trautonium erzeugt.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 28. März
28.3.08/24.4.12/


Donnerstag, 9. Februar 2012

Vor den Toren von Stuttgart ...

Am 4. Februar 1738 wird Joseph Süß Oppenheimer vor den Toren von Stuttgart an einem 12 Meter hohen Galgen erwürgt und jahrelang in einem Käfig dort hängen gelassen. Das an ihm begangene Verbrechen war den Nazis noch nicht genug. Die traurige Geschichte wurde in einem antisemitischen Hetzfilm weiter gefälscht.

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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 4. Februar
24.3.08/10.2.11/

Freitag, 6. Januar 2012

Afroamerikanische Sängerin in der Metropolitan Opera

Den ersten Auftritt einer schwarzen Sängerin in der New Yorker "Metropolitan Opera" (Met) feierte am 7. Januar 1955 die amerikanische Künstlerin Marian Anderson (1902–1993) in der Oper "Maskenball" von Guiseppe Verdi. Die institutionalisierte Rassentrennung hatte Risse bekommen.

Marian Anderson- Schubert- Ständchen D. 957 no. 4



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Vorarlberger Naturfreunde: Kulturwanderung: 7. Jänner
7.1.09/7.1.12/

Jungfrau von Orléans: Bauernmaid, Feldherr, Hexe, Heilige und Popstar


Der Stoff für Theater, Bücher, Filme und natürlich auch die Bildende Kunst: Am 6. Jänner 1904 erklärt Pius X. die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc, seinerzeit als Hexe verbrannt, zur "verehrungswürdigen" Frau. Man spekuliert, ob die Bauernmaid nicht doch blaues Blut aus Bayern habe und ob sie überhaupt verbrannt worden sei.

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Naturfreunde Vorarlberg: Kulturwanderung: 6. Jänner

Montag, 21. November 2011

Ohrfeige für Honecker

Bei einem amerikanischen Bombenangriff erlitt Ernst Busch am 22. November 1943 - Häftling der Nazis im Untersuchungsgefängnis Moabit - schwere Kopfverletzung und eine Lähmung der linken Gesichtshälfte. Trotzdem sang er weiter bis zu jenem Tag des Jahres 1961, an dem er Honecker geohrfeigt haben soll.

Zusammen mit vielen anderen deutschen Emigranten wurde Ernst Busch im Mai 1940, als die deutsche Wehrmacht in die Niederlande und Belgien einmarschierte, interniert. Bei einem Fluchtversuch wurde er an der Schweizer Grenze verhaftet, der Gestapo ausgeliefert und ins Berliner Gefängnis Moabit gebracht. Die Anklage gegen Busch lautete »Vorbereitung zum Hochverrat«. Es drohte ihm die Todesstrafe. Durch die Intervention von Gustav Gründgens erhielt er jedoch 1943 »nur« eine vierjährige Zuchthausstrafe.

Busch kann sich bei Gründgens revanchieren: 1945/46 erfolgt eine neunmonatige sowjetische Internierung Gründgens; im Prüfungsverfahren sagen zahlreiche Künstler, unter ihnen Ernst Busch, für Gründgens aus, so dass er im April 1946 entlassen wird. Busch kannte Gründgens bereist seit seiner ersten Theaterstelle in Kiel. Im Dezember 1921 spielte er mit Gustaf Gründgens in »Die letzten Masken« von Arthur Schnitzler beim Vereinigten Städtischen Theater in Kiel. 1929 hatte er Kabarett-Auftritte mit Grethe Weiser und Ernst Busch in der Nelson-Revue.

Ob die Ohrfeige aus der Hand von Ernst Busch Erich Honecker wirklich auch erhalten hat, darüber streiten sich die Leute. Die einen nennen es Legende, andere Verleumdung. Insider wollen jedoch wissen und insistieren hartnäckig darauf, dass er sich erlaubt hatte, Erich Honecker auf einer Parteisitzung zu ohrfeigen. Belegt ist zumindest, dass er der FDJ (Freie Deutsche Jugend) - deren Vorsitzender Erich Honecker von 1946 bis 1955 war - empfahl, ihn »am Arsch zu lecken«.


Seinen Zorn hatte man mit dem Wunsch hervorgerufen, anlässlich der Weltjugendfestspiele - für deren Organisation Honecker verantwortlich zeichnete - die Hymnen der beteiligten Länder abzuspielen. Busch sah verständlicherweise keinen Grund dafür, die Hymnen der damals faschistischen Diktaturen Spaniens und Griechenlands auf DDR Boden aufzuführen. Infolge der heftigen und zum Teil deftigen Auseinandersetzungen mit dem Zentralrat der FDJ, der Parteiüberprüfungskommission und der staatlichen Kunstkommission erhielt Busch zunehmend weniger Möglichkeit, als Sänger öffentlich zu wirken. Wegen zunehmender Krankheit sah sich - nach offizieller DDR-Version - Ernst Busch gezwungen, die Bühne zu verlassen. Jedenfalls wurde er mehr und mehr kaltgestellt und war nur noch auf Schallplatten zu hören.

Ernst Busch († 8.6.1980 in Berlin) wurde am 22. Januar 1900 in Kiel geboren. Ein Jahr nach Beginn des 1. Weltkriegs begann er eine Lehre auf der Kruppschen Germania-Werft als Werkzeugmacher und arbeitete dort u.a. als Facharbeiter im Ventilbau für U-Boote. Busch, der schon seit 1919 privaten Gesangs- und Schauspielunterricht genommen hatte, bewarb sich als Schauspieler beim Vereinigten Städtischen Theater in Kiel und bekam umgehend einen Vertrag. Im Dezember 1921 spielte er mit Gustaf Gründgens in »Die letzten Masken« von Arthur Schnitzler. Sein weiterer Weg führte ihn über das Stadttheater in Frankfurt/Oder (1924-26), die Pommersche Landesbühne (1926/27) zu Erwin Piscators Theater am Nollendorfplatz in Berlin. Dort hatte er seine Premiere in Ernst Tollers »Hoppla wir leben«. 1929 lernte er Hanns Eisler kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Busch und Eisler entwickelten sich zu einem überaus produktiven Gespann. Der eine brachte Texte ein, für die der andere die Melodien komponierte und ihn bei Auftritten oft am Klavier begleitete. Ab 1930 entwickelte sich die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht.

Anfang März 1933, einige Tage nach dem Reichstagsbrand, emigrierte Busch in die Niederlande. Schon einige Tage später war er über Radio Hilversum mit dem »Kominternlied« und dem »Solidaritätslied« zu hören. Sein weiterer Weg führte ihn über Belgien, London, Zürich, Paris und Wien, nach einem Auftritt bei der 1. Arbeitermusik- und Gesangolympiade in Strasbourg im Juni 1935, schließlich in die Sowjetunion. 1937 fuhr er mit der Journalistin Maria Osten nach Spanien, um den Freiheitskampf vor Ort mit seinen Mitteln zu unterstützen. Nach seiner Ankunft im Sammellager der Internationalen Brigaden in Albacete fuhr Ernst Busch direkt nach Madrid zum Internationalen Kongress der Schriftsteller, an dem u.a. Ernest Hemingway, Andre Malraux, Michail Kolzow, Egon Erwin Kisch, Alfred Kantorowicz, Anna Seghers, Gustav Regler, Willi Bredel, Ludwig Renn, Hans Marchwitza und Bodo Uhse teilnahmen.

Nachdem Busch 1938 Spanien verlassen hatte, lebte er vorwiegend in Antwerpen, wo er nach dem Einmarsch der Deutschen im Mai 1940 vom Vichy-Regime verhaftet und in den südfranzösischen Internierungslagern St. Cyprien und Gurs festgehalten wurde. Nach geglückter Flucht Ende 1942 wurde er Anfang 1943 an der Grenze zur Schweiz verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und nach Berlin verbracht. Die Anklage gegen Busch lautete »Vorbereitung zum Hochverrat«. Es drohte ihm die Todesstrafe. Durch die Intervention von Gustav Gründgens erhielt er jedoch 1943 »nur« eine vierjährige Zuchthausstrafe, die auch unter dem Gesichtspunkt ausgesprochen worden war, dass Busch während der Untersuchungshaft in Berlin-Moabit am 22. November 1943 bei einem anglo-amerikanischen Bombenangriff eine schwere Kopfverletzung erlitt, die eine teilweise Gesichtslähmung hinterließ. Die Richter sahen für ihn keine Möglichkeit mehr durch Gesang Widerstand und kommunistische Propaganda zu betreiben.

Ungeachtet aller nachkriegsbedingten Widrigkeiten sind für Busch die folgenden Jahre eine Zeit außerordentlich produktiven, fruchtbaren und erfolgreichen Schaffens. In einer späten Notiz schätzt er die Jahre von 1945-1953 als seine »heroische Zeit« ein. 1946 arbeitet er beim Hebbeltheater Berlin, ab 1950 im Brecht-Ensemble des Theaters am Schiffbauerdamm und am Deutschen Theater als Schauspieler und später auch als Regisseur. Ernst Busch produziert in seiner »heroischen Zeit« etwa 150 Liedtitel. Und seine alte, noch in die Weimarer Zeit zurückgehende Idee, die Zeitgeschichte im Lied zu begreifen, krönt er mit der in den sechziger und siebziger Jahren geschaffenen »Chronik in Liedern, Balladen und Kantaten«. Dieses sein »Lebenswerk« kann sich sehen lassen. Es umfasst über zweihundert kommentierte Gesänge auf mehr als 45 Schallplatten. Es ist eine der wichtigsten Liedsammlungen des 20. Jahrhunderts.

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Mittwoch, 6. Juli 2011

Marylin Monroe singt im Madison Square Garden "Happy Birthday Mr. President"


Norma Jeane Mortenson wurde 1942 mit sechzehn Jahren - kurz vor ihrem möglichen Schulabschluss - mit dem um fünf Jahre älteren Nachbarsjungen Jim verheiratet. Am 13. September 1946 ließ sie sich scheiden. Seitdem kannte man sie nur noch mit dem Künstlernamen: Marilyn Monroe.

Marilyn Monroe. 1943 meldete sich der Ehegatte Jim bei der Handelsmarine. Während seiner Abwesenheit lernte Norma Jean den Fotografen David Conover kennen und erhielt 1944 während einer Tätigkeit in einer Flugzeugfabrik das erste Modell-Angebot: Auf Empfehlung des Armee-Fotographen, der die Frauen im Rüstungsbetrieb portraitieren sollte.

Schon 1945 wurde Norma Jeane als Fotomodell entdeckt und erhielt 1946 von der 20th Century Fox ihren ersten Filmvertrag. Sie färbte ihre brünetten Haare blond und nahm den Künstlernamen Marilyn Monroe an. Marilyn verweist auf die Bühnenschauspielerin Marilyn Miller und Monroe auf den Familiennamen mütterlicherseits. 1952 lernte sie Baseballstar Joe Dimaggio kennen, im Juni erhielt sie eine Nebenrolle in "Blondinen bevorzugt" und 1954 heirateten Marylin und Dimaggio für ein halbes Jahr Ehe. 1956 heiratete sie den Dramatiker Arthur Miller, beide zogen nach England. Sie ging jedoch bald darauf wieder zurück nach Hollywood, um an verschiedenen Filmen zu arbeiten, wobei sich bei Marilyn eine Schlaftablettenabhängigkeit abzeichnete.
 Link ➨        Diamonds are girl's best friend
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Kennedy. Am Tag der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy - dem 20.Jänner 1961 - wird sie von Arthur Miller geschieden und am 19. Mai 1961 sang sie im Madison Square Garden ihren wohl bekanntesten Song: "Happy Birthday Mr. President" für John F. Kennedy. Etwas mehr als ein Jahr später war Monroe tot. Am 5.8.1962 Marilyn Monroe (geb. 1.6.1926) wird in ihrem Appartment in Brentwood/Hollywood tot aufgefunden. Sie war an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben. Die Yellow-Press verbreitete Geschichten über angebliche Affären mit John F. Kennedy und dessen Bruder Bob. Gerüchte und Enthüllungsstorys um ein Mordkomplott der US-Geheimdienste tauchen seither mit steter Regelmäßigkeit in diesen Presseerzeugnissen auf.
American Way. Marilyn Monroe verkörpert den amerikanischen Traum schlechthin. Ihr Leben gleicht der Geschichte von Aschenputtel: Ein armes, kleines Mädchen wird zum begehrten, erfolgreichen Hollywoodstar. Umgekehrt gilt aber auch, dass sie darunter gelitten hatte, dass man sie immer wieder auf das Image einer sexy Blondine reduzierte und sie auf diese Weise rücksichtslos vermarktete. Drei gescheiterte Ehen, zwei Fehlgeburten und Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken hatten sie zu einem psychischen Wrack gemacht.
 Link ➨        Marilyn Monroe
Niagara. Ein Aktphoto aus dem Jahre 1949 provozierte drei Jahre später einen weltweiten Skandal und ließ ihr Sex-Appeal weltberühmt werden. Mit dem Film NIAGARA schaffte sie 1953 den Durchbruch zum Weltstar und machte sie zur erfolgreichsten Schauspielerin in Hollywood. In den folgenden Jahren spielte Marilyn Monroe in Welterfolgen wie "How to marry a millionaire" und "River of no return".

Das verflixte siebte Jahr. Unvergessen bleibt ihre Darstellung in "The seven year itch" (Das verflixte 7. Jahr) von 1955. Die Szene mit dem hochwirbelnden Kleid für den Film wird in New York vor tausenden von Schaulustigen abgedreht. Die Szene im sommerlich New York, in der sie sich Kühlung auf dem Gitter eines U-Bahnschachtes verschafft und ihr hochflatterndes Kleid ihre Beine zeigt, ist in Filmgeschichte eingegangen. Von 1956 bis 1960 entstanden Filme wie "Bus Stop", "The Prince and the Showgirl" (den sie selber produzierte) und "Let's make Love". Ihr letzter, "Something's got give" (1962) blieb unvollendet. In ihren Filmen sang sie viele bis heute unvergessene Lieder. "Diamonds Are a Girls Best Friend" und "I Wanna Be Loved By You" sind ihre wohl bekanntesten Hits. Für den Geschmack der amerikanischen Gesellschaft der 50er Jahre klangen einige von ihnen gar zu provozierend. So wurde beispielsweise ihre Aufnahme von "Do it Again" erst fünfzehn Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht. Ihre Stimme gehört noch heute zu den bekanntesten der Welt.

Filme mit Marilyn Monroe:
John Huston: Asphalt-Dschungel (1950)
Howard Hawks: Liebling, ich werde jünger (1952)
Henry Hathaway: Niagara (1952)
Howard Hawks: Blondinen bevorzugt (1953)
Jean Negulesco: Wie angelt man sich eine Millionär? (1953)
Otto Preminger: Fluss ohne Wiederkehr (1954)
Billy Wilder: Das verflixte 7. Jahr (1955)
Joshua Logan: Bus Stop (1956)
Laurence Olivier: Der Prinz und die Tänzerin (1957)
Billy Wilder: Manche mögen's heiß (1959)
George Cukor: Machen wir's in Liebe (1960)
John Huston: Misfits. Nicht gesellschaftsfähig (1961) 

Montag, 13. April 2009

Christoph Schlingensief: Ein Rebell wird Professor


Christoph Schlingensief wird Professor an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig. Das niedersächsische Kulturministerium hat dem 48 Jahre alten Regisseur, Autor und Aktionskünstler eine Professur für "Kunst in Aktion" verliehen. Er wird im Rahmen seiner Lehrtätigkeit Studierenden der Freien Kunst und des Darstellenden Spiels die Möglichkeit geben, "an den Orten seiner Inszenierungen an seiner Kunst mitzuwirken und eigene Positionen weiter zu entwickeln".
Die Professur ist auf fünf Jahre befristet. Ein Mal pro Jahr wird es eine öffentliche Veranstaltung in Braunschweig geben, die jeweils in Kooperation mit dem Staatstheater Braunschweig stattfinden wird.
Erst im März hatte Schlingensief mit großem Erfolg seine jüngste Inszenierung "Mea Culpa" am Wiener Burgtheater herausgebracht, in der er sowohl seine Krebserkrankung als auch den wiedererwachten Lebenswillen eindrucksvoll thematisierte. Die Erkrankung hatte bereits in seiner Inszenierung "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" bei der Ruhrtriennale 2008 im vergangenen Herbst eine Rolle gespielt.

Mehr:
Christoph Schlingensief

Donnerstag, 2. April 2009

Avantgarde: Virtuelles Berliner Logentheater


Berlin hat ein neues Theater, das zunächst allerdings nur im Internet besucht werden kann: Das Berliner Logentheater.

Die Plattform ist kreativ gestaltet und verdeutlicht die Möglichkeiten des Web 2.0: Die Homepage zeigt einen in rot gehaltenen Theatersaal. Mit Betätigung der Maus auf den Bühnenvorhang wird dieser geöffnet: Drei Schauspieler stehen auf der Bühne, die sich durch anklicken vor dem virtuellen Publikum verneigen. Beim Klick auf das Wort "Berliner Logentheater" gelangt der Nutzer zu einer Art Häuserwand aus altem Backstein, mit geschlossenen und offenen Fenstern und in manchen erleuchteten Fenstern kann der Nutzer auch die Bilder von Künstlern sehen.

Um die Theaterstücke als Film in verschiedenen Sequenzen zu sehen, muss einfach nur in die bunten Fenster geklickt werden. Zurzeit werden unter anderem "Penthesilea" von Heinrich von Kleist, ein Produktion der Schaubühne Berlin, sowie "Frankenstein" von Wolfgang Deichsel oder "Nacht mit Gästen" von Peter Weiss gezeigt. Neben den klassischen oder avantgardistischen Kulturleckerbissen, bietet das Portal jungen Künstlern auch die Möglichkeit, an dem Wettbewerb "Actors on Sets" teilzunehmen. Für die Jury konnte der weltbekannte Schauspieler Omar Sharif gewonnen werden. Zukünftig ist auch eine wöchentliche Liveshow im virtuellen Logentheater geplant.

www.logentheater.de soll das Kulturinteresse von Internetnutzern erfüllen, die viel und gerne im Netz surfen. Intendant und Geschäftsführer des digitalen Theaters ist der Schauspieler Johannes Brandrup, unterstützt wird er von Schauspielern, Regisseuren oder Videokünstlern sowie von dem bekannten Jazzgitarristen Jean Paul Bourelly, der die musikalische Leitung übernommen hat. Das Theaterangebot ist im Moment noch kostenlos, die Organisatoren planen jedoch, später durch Mitgliedschaften und Sponsoren Einnahmen zu erzielen.

Mehr:
Berliner Logentheater

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Deutschlands Clark Gable

Weil der beliebte Schauspieler Joachim Gottschalk - "Deutschlands Clark Gable" - seiner jüdischen Frau Meta die Treue hält, wird am 17. Dezember 1937 Generalintendant Hans Meißner an den Frankfurter Bühnen aufgefordert, Gottschalks Auftreten in Frankfurt a. Main zu beenden.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: 17. Dezember 1937





Donnerstag, 27. November 2008

Bregenzer Festspiele 2009 (I): Verdis Aida als Spiel auf dem See


Sie ist eines der meistgespielten Werke der Opernliteratur, die Geschichte einer legendären Liebe bis in den Tod und eine sehr moderne Parabel über Kriegslust, Nationalismus und Feindeshass: Giuseppe Verdis monumentale Oper Aida wird in den Sommern 2009 und 2010 erstmals auf der spektakulären Seebühne zu sehen sein.

Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der äthiopischen Prinzessin Aida – einst als Sklavin an den Nil verschleppt – und dem ägyptischen Feldherrn Radames ist seit ihrer Premiere 1871 zu einem der beliebtesten und meistgespielten Werke der Opernliteratur avanciert. Im kommenden Sommer ist Verdis monumentale „Wüstenoper“ Aida erstmals auf dem Wasser zu erleben: Premiere des Spiels auf dem See ist am 22. Juli.

Verdi hatte Aida von Anfang an als eine Oper der Superlative konzipiert: Prunkvolle Chorszenen und mit-reißende Marschrhythmen, lyrische Naturschilderungen und romantische Duette stehen harmonisch nebeneinander, in ihrer Wirkung vertieft durch das exotische Kolorit der Musik.

Der bekannte Triumphmarsch mit seinen schmetternden Fanfaren und prächtigen Chören markiert musikalisch wie szenisch einen der Höhepunkte der "Großen Italienischen Oper".

Lebendig eingemauert als Strafe für ihre Liebe und seinen Verrat – so enden die schöne Aida und der stolze Radames. Ein Tod, wie er erbarmungsloser nicht sein könnte, und doch ein Ende erfüllt von Klängen, die das grausame Schicksal, das die beiden erwartet, nicht ahnen lassen. Denn genau in diesem Moment erhebt sich der Schlussgesang "O terra addio, addio valle di pianti" – "Leb wohl, o Erde, o du Tal der Tränen" – so zart, so rein, so lichterfüllt und strahlend, als könne nichts und niemand dieser Liebe etwas anhaben. Der gemeinsame Tod trägt Aida und Radames hinfort, ein letztes Mal vereint in ewiger Umarmung.

Dass er auf Puccini wieder Verdi folgen lasse, habe triftige Gründe, erklärt Intendant David Pountney: "Es kommt natürlich nicht von ungefähr, dass ich mich entschlossen habe, nach Tosca wieder eine Oper von Giuseppe Verdi auf die Seebühne zu bringen. Denn sie ist einfach ein grandioser Ort für all das, was dieser Komponist am besten beherrschte: große Leidenschaften und tragische Konflikte in mitreißende Musik zu verwandeln. Aber Aida ist auch eine sehr moderne Parabel über Nationalismus, Kriegslust und Feindeshass und ein Stück, das zeigt, dass es in einem Krieg nur Verlierer geben kann."

David Pountney selbst hat mit seiner packenden, begeistert aufgenommenen Inszenierung von Verdis Nabucco in den Sommern 1993 und 1994 die einzigartige Serie von Aufführungen dieses Komponisten auf der Seebühne begründet. Spätestens seit das Bild des Maskenballs mit seinem im Buch des Lebens blätternden Skelett 1999 um die Welt ging, war klar, dass die Bregenzer Seebühne und Giuseppe Verdi perfekt zueinander passen: Die Atmosphäre und Umgebung des Spiels auf dem See scheint wie geschaffen für die Werke des berühmten Italieners, die mit ihren großen Chören, feierlichen Massenszenen und dramatischen Duetten schon immer dieser großen Bühne mit ihren imposanten Bühnenskulpturen zugedacht gewesen zu sein scheinen.

Erstmals ist nun Aida als Spiel auf dem See zu sehen. Dass die Bühne am Wasser und nicht in der Wüste steht, stört Pountney nicht im Geringsten: "Es ist das erste Mal in der Festspielgeschichte, dass diese großartige 'Wüstenoper' ans Bodenseeufer versetzt wird, und natürlich ist das eine große Herausforderung. Wir denken aber, dass wir eine äußerst spannende Umsetzung gefunden haben."

Ein Italiener, zwei Briten – und ein erfahrener Seebühnen-Profi
Die musikalische Leitung von Aida liegt beim italienischen Dirigenten Carlo Rizzi, es inszeniert der bekannte britische Regisseur Graham Vick, die Ausstattung stammt von seinem Landsmann Paul Brown. Für das Licht zeichnet der bereits mehrfach "Seebühnenerprobte" Wolfgang Göbbel verantwortlich.

Programmdaten:

Spiel auf dem See: Giuseppe Verdi - Aida
Premiere: 22. Juli 2009 - 21.15 Uhr

Weitere Aufführungen:
24. 25. 26. 28. 29. 30. und 31. Juli - 21.15 Uhr
1. 2. 4. 5. 7. 8. 9. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 18. 19. 20. 21. 22. und 23. August - 21.00 Uhr

Seebühne/Festspielhaus

Musikalische Leitung: Carlo Rizzi, Gareth Jones
Inszenierung: Graham Vick
Bühne & Kostüme: Paul Brown
Choreographie: Ron Howell
Licht: Wolfgang Göbbel
Chorleitung: Anna Szostak, Wlodzimierz Siedlik
Chorleitung Bregenzer Festspielchor: Benjamin Lack

Wiener Symphoniker
Sängerensemble der Stadt Katowice - „Camerata Silesia“
Polnischer Rundfunkchor Krakau
Bregenzer Festspielchor
Bühnenmusik: Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium
Tänzer
Statisterie

Preise So - Do: EUR 272*/190*/112*/90/70/48/28
Preise Fr & Sa: EUR 288*/205*/132*/110/90/70/48

LINKS:

Zur Quelle: Bregenzer Festspiele

Zu Giuseppe Verdi: 9. März 1842
Am 9.März 1842 wird Giuseppi Verdis "Nabucco" in Mailand uraufgeführt. Der Chor der Gefangenen Hebräer wird zur inoffiziellen Hymne Italiens: ein Protest gegen Tyrannei, politische Willkür und habsburgische Fremdherrschaft. Wie die Juden zur Zeit Nebukadnezars um 600 v.u.Z, so fühlten sich die Italiener in der Mitte des 19. Jhs heimatlos.
Zur Vorarlberger Kulturpolitik: Kulturfernes Vorarlberg?
In Vorarlberg hingegen hat das Vorarlberger Landesbudget von 2001 bis zum Budgetenwurf 2009 eine Ausweitung von 47,2 Prozent erfahren. Die Kulturausgaben stiegen in diesem Zeitraum in Vorarlberg gerade mal um 14,7 Prozent. Das ist sogar weniger als die Infationsrate (Oktober 2000/2008 = 18,1%!).
Zur Umwegrentabilität der Kultur
Und auch das kann man lernen: Max Reinhardt prophezeite in seiner "Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn" schon im Kriegsjahr 1917 – drei Jahre vor Gründung der Salzburger Festspiele – "neben den kulturellen auch wirtschaftliche Vorteile ..., deren Höhe sich ziffernmäßig kaum abschätzen lässt", und war optimistisch, "dass nach Friedensschluss sich auch aus anderen Ländern ... eine große Besucherzahl, und zwar vorwiegend aus wohlhabenden Schichten, zu den Festspielen einfinden wird".
Zur Kulturförderung: Kulturförderung schafft Arbeit
Das Institut für Höhere Studien (IHS) Wien hat im Auftrag der österreichischen Kulturministerin Claudia Schmied den ökonomischen Nutzen von Kultureinrichtungen unter die Lupe genommen - mit einem erstaunlichem Resultat, welches das kulturfeindliche Bild von den "Subventionsempfängern" widerlegt.

Freitag, 14. November 2008

Theater der Grausamkeiten

Über sein "Theater der Grausamkeiten" (Le théâtre de la cruauté) schrieb Antonin Artaud in einem Brief an J. Paulhan am 14. November 1932 aus Paris: "Ich benutze das Wort Grausamkeit im Sinne eines Hungerns nach Leben, kosmischer Präzision, unerbittlicher Notwendigkeit, ..."

Mit dem Theater der Grausamkeit formuliert Antonin Artaud im 20.Jahrhundert die klarste Absage an ein Theater, das Wirklichkeit nur vorspiegelt, repräsentiert, statt selbst zu sein. Es ist zugleich die radikale Absage an ein Theater, das vorgegebene Texte umsetzt und damit sein Eigenes, das Szenische, in den Dienst des Literarischen stellt. Mit seiner Konzeption eines Theaters der Grausamkeit beeinflusste er die Entwicklung des modernen Theaters entscheidend. "Grausamkeit" ist nicht im Sinne von Blut, Gemetzel oder Schlachten gemeint sondern - viel schrecklicher - als tiefe Grausamkeit der menschlichen Existenz. Die Menschen sind nicht frei, da ihr Dasein ständig von Beklemmung, Angst, Hass und Hilflosigkeit bestimmt wird.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: 14. November 1932

Montag, 10. November 2008

Free mp3: Das Hobellied


Am 10. November 1826 findet die Uraufführung des Originalzaubermärchens "Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär" am Theater in der Leopoldstadt mit Ferdinand Raimund in der Rolle des Wurzel statt. Das Volksstück ist ein Erfolg.

Biedermeier gilt heute als Schimpfwort und steht für angepasstes Duckmäusertum und versteht sich als Gegensatz zum fortschrittlichen "Jungen Deutschland". Diese Sicht ist aus vielerlei Gründen falsch und greift zu kurz.

Vollkommen außer Acht gelassen wird dabei der emanzipatorische Charakter der "Biedermeierdichter". Im Biedermeier wird das Volksstück zum Publikumsliebling Nummer eins. Der Bürger betritt als "Held" die Theaterbühne, und von dort aus die politische Bühne des bürgerlichen Zeitalters. Raimund war Vertreter des Wiener Volksstücks, des Schauspiels für das Volk und auch über das Volk, im Gegensatz zum Hoftheater, das für die Oberschicht spielte und damit auch keine Probleme mit der Zensur hatte.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: 10. November 1826

Montag, 26. Mai 2008

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens


Die progressive, experimentelle Regie Murnaus und die überragende schauspielerische Leistung von Max Schreck machen "Nosferatu" – neben Langs "Metropolis" und Wienes "Das Cabinet des Dr. Caligari" – zu einem der einflussreichsten deutschen Filme der Stummfilmära. Murnaus Hollywood-Film "Sunrise" bekommt einen Oscar.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.emserchronik.at: Free Movie: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

Sonntag, 18. Mai 2008

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?


"Kuhle Wampe" ist der einzig wirklich kommunistische Film der Weimarer Republik und ein Meisterwerk. Für die Einen mag der Film wie plumpe Propaganda wirken, aber beim genauen Hinsehen und Hinhören entpuppt er sich als ein höchst wertvolles Zeitdokument der Weimarer Republik und der Zensurgeschichte.


Bertold Brecht über den Zensor:"Wir hatten es schwer, unsern Film durchzubringen. Aus dem Haus gehend, verhehlten wir nicht unsere Wertschätzung des scharfsinnigen Zensors. Er war weit tiefer in das Wesen unserer künstlerischen Absichten eingedrungen als unsere wohlwollendsten Kritiker. Er hatte ein kleines Kolleg über den Realismus gelesen. Vom Polizeistandpunkt aus." (Bertold Brecht: Kleiner Beitrag zum Thema Realismus. Schriften zum Theater, Band II. Frankfurt am Main 1963)

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: Free Movie: Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?

Dienstag, 29. April 2008

Free Movie: Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin"

Zum "besten Film aller Zeiten" wurde Sergej Eisensteins Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel gekürt. Am 29. April 1926 wird er im Apollo-Kino in Berlin uraufgeführt. In Vorarlberg lässt der spätere Kurzzeit-Bundeskanzler und Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender trotz gesetzlichen Verbots der Zensur 1926 die Vorführung des Films untersagen. Die junge österreichische Erste Republik kannte eigentlich seit 1918 keine Zensur mehr.

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: Ges(ch)ichtspunkte 29. April 1926

Sonntag, 20. April 2008

Free Movie: M - Eine Stadt sucht einen Mörder

Berlin 1931: Ein psychopathischer Kindermörder (Peter Lorre) beunruhigt die Bevölkerung, narrt die Polizei und versetzt auch die Unterwelt in Aufregung. Während ein Kommissar dem Täter durch Indizien auf die Spur kommen will, sendet die Bettler- und Ganovenorganisation ihre Spitzel aus.

"M - Eine Stadt sucht einen Mörder" vom deutschen Kino-Pionier Fritz Lang ist nach Meinung vieler Kritiker bis heute der beste deutsche Psycho-Thriller überhaupt. Nicht umsonst rangiert der Film in der Bestenliste der Internet Movie Database (IMDB) derzeit auf Platz 43 in der Liste der besten 250 Filme aller Zeiten, wobei der Film trotz seines Alters und ständig neuer Konkurrenz Jahr für Jahr in der Liste weiter vorrückt!

Mehr (Download, Infos, Links, etc.) dazu auf www.freiklick.at: Free Movie: M - Eine Stadt sucht einen Mörder

Free Movie: Metropolis von Fritz Lang


Mit Fritz Langs Metropolis wurden in der Filmgeschichte Maßstäbe gesetzt und wurden technische und ästhetische Linien sichtbar, die uns bis heute beschäftigen müssen. Die Utopie war allerdings nicht eine der Zukunft, sondern eine der elitären Avantgarde und wird nicht ohne Grund auch als protofaschistische Allegorie gehandelt.

Luis Buñuel. Schon Luis Buñuels machte dies mit einer überaus ambivalenten Einschätzung des Films, die er in der Gazeta Literaria vom 1. Mai 1927 veröffentlichte, deutlich: "'Metropolis' ist nicht ein Film. 'Metropolis' sind zwei Filme, am Bauch aneinandergeklebt, aber mit unterschiedlichen, extrem antagonistischen Ansprüchen. Wer den Film als diskreten Geschichtenerzähler betrachtet, erlebt bei 'Metropolis' eine herbe Enttäuschung. Was uns hier erzählt wird, ist trivial, schwülstig, pedantisch, von einem übermächtigen Romantizismus. Aber wenn man sich nicht auf die Anekdote, sondern auf den plastischen Hintergrund konzentriert, dann übertrifft 'Metropolis' alle Erwartungen, erstaunt einen wie das wunderbarste Bilderbuch, das je geschaffen wurde."


Führer-Film. Und tatsächlich, während Metroplis in seiner Bildwirkung Vergleiche mit den propagandistischen Inszenierungen der Nazis und einer Leni Riefenstahl nahe legen, ist die Handlung ebenso simpel wie für die folgende nazistische Ideologie und Propaganda bedeutend: Eine Liebesgeschichte um die Versöhnung von Arbeit und Kapital. Und die Avantgarde war wie schon beim ersten Weltkrieg auch hier nicht ohne Sympathie für das "Neue" und die gewaltsame "Modernisierung" durch die Nazis. Und auch umgekehrt: Gar der "Führer" war von Fritz Langs Metropolis begeistert.

Thea von Harbou. Das Drehbuch stammt von Fritz Langs Ehefrau Thea von Harbou. Sie sieht Nationalismus und soziales Engagement bei den Nazis gut vertreten und macht dort Karriere. Thea von Harbou setzt ihre Karriere im Dritten Reich bruchlos fort. Sie schreibt Drehbücher für Heinz Rühmann und Wolfgang Liebeneiner. Aber auch für Veit Harlan, dem Regisseur des antisemitischen Hetzfilms "Jud Süss". Die Filme, die jetzt entstehen, sind kommerzielle Dutzendware ohne künstlerischen Anspruch. Thea von Harbou passt sich ideologisch an, schreibt etwa Drehbücher, in denen Leitfiguren angehimmelt werden, ist aber niemals an einem reinen Propagandafilm beteiligt - ganz im Gegensatz zu Leni Riefenstahl, neben der Harbou die erfolgreichste Filmschaffende unter Hitler.

Nichtsdestotrotz. Eben deshalb auch ein Pflichtfilm.

Link ➨ Free Movie: Fritz-Lang-Klassiker Metropolis
Link ➨ Zurück in die Zukunft – Fritz Langs "Metropolis" im Wandel der Zeit (Filmportal.de)
Link ➨ Thea von Harbou - Metropolis - Drehbuch

Donnerstag, 27. März 2008

Free mp3: Lotte Lenya - Die Seeräuber-Jenny + Moritat von Mackie Messer

Lotte Lenya war 1921 in der Hoffnung auf bessere Möglichkeiten nach Berlin gekommen, wo sie eher zufällig dem Dramatiker Georg Kaiser auffiel. Mit dem Ehepaar Kaiser entstand eine Freundschaft, und sie durfte sie regelmäßig für längere Zeit in ihrem Landhaus in Grünheide bei Berlin besuchen, wo sie gegen Kost und Logis dessen drei Kinder betreute.


Mehr (Download, Infos, Links, etc. ) dazu auf www.freiklick.at: Free mp3: Lotte Lenya - Die Seeräuber-Jenny + Mackie Messer